Volkswirtschaftliche Bedeutung der baukulturellen Qualifizierung

Die in den 1980er Jahren ausgerufene Endzeitstimmung für die Bauwirtschaft hat sich erwartungsgemäß als vorübergehende Erscheinung des Zeitgeistes entpuppt. Der zunehmende Rückstau bei den Bauinvestitionen bei gleichzeitig steigenden Anforderungen an die Standort- und Lebensqualität hat den Baubedarf weiter wachsen lassen und zuletzt insbesondere im Tiefbau zu einer deutlich gesteigerten Nachfrage geführt.

Der ungebrochen hohe volkswirtschaftliche Stellenwert der Bauwirtschaft lässt sich auch anhand der aktuellen statistischen Branchendaten belegen: Mit rund EUR 17 Mrd. Wertschöpfung trägt das Bauwesen rund 7% zum BIP bei. Alle öffentlichen und privaten Bauinvestitionen zusammen erreichen eine Größenordnung von beinahe EUR 30 Mrd. bzw. rund 55% der gesamten österreichischen Bruttoinvestitionen. Die überdurchschnittliche Arbeitsintensität und die dichte Vernetzung mit anderen Wirtschaftszweigen sorgen für zusätzliche inländische Multiplikator- und Beschäftigungswirkungen.

Noch entscheidender als diese kurzfristigen Nachfrageeffekte sind die langfristig positiven Wirkungen, die sich durch die Verfügbarkeit einer leistungsfähigen Infrastruktur für den Wirtschaftsstandort ergeben. Eine moderne und nutzergerechte öffentliche Infrastruktur ist eine entscheidende Voraussetzung für private Folgeinvestitionen wie z.B. Betriebsansiedlungen. Dementsprechend sind alle Bauschaffenden gefordert, für eine qualitativ hochwertige und anspruchsvolle Baukultur zu sorgen – nicht nur im Sinne der Ästhetik, sondern auch im Sinne einer nutzerorientierten und nachhaltigen Projektierung und Ausführung.