Architekturvermittlung

Kommunikation mit PlanerInnen

Riklew Rambow

Eine lebendige Baukultur erfordert, dass ArchitektInnen und Laien in einem kontinuierlichen Dialog stehen. Das verlangt auf beiden Seiten nicht nur die Bereitschaft, sondern auch die Fähigkeit, verständigungsorientiert miteinander zu kommunizieren. Welche Voraussetzungen sind dazu erforderlich? Auf Seiten der Öffentlichkeit sind ein generelles Interesse an baukulturellen Fragen und grundlegende Kenntnisse über die Bedeutung, welche die Architektur für die eigene Lebenswelt hat, wünschenswert; die Bemühungen um die stärkere Berücksichtigung baukultureller Themen im Rahmen des allgemeinbildenden Schulunterrichts haben eine solche Grundbildung zum Ziel. Auch die vielfältigen anderen Aktivitäten, die beispielsweise von den Architekturzentren oder der Architekturstiftung Österreich durchgeführt werden und unterschiedlichen Zielgruppen Interesse an sowie Wissen über Architektur vermitteln, fördern die Dialogfähigkeit der Öffentlichkeit.

Wie sieht es aber andererseits mit der Kommunikationsfähigkeit und -bereitschaft der ArchitektInnen und PlanerInnen aus? Gerade von ihnen muss verlangt werden, dass sie sich aktiv mit den Wahrnehmungen und Bedürfnissen von BürgerInnen und NutzerInnen auseinandersetzen und dass sie in der Lage sind, Konzepte und Entwürfe in einer Weise darzustellen und zu erläutern, die einen Dialog überhaupt erst ermöglichen.


Die gegenwärtige Architekturausbildung scheint allerdings nur bedingt geeignet, die Grundlagen einer solchen Dialogfähigkeit sicherzustellen. Empirische Untersuchungen zeigen, dass gängige Lehrformate dazu tendieren, die NutzerInnenperspektive systematisch auszublenden und an den universitären Fachbereichen ein „Elfenbeinturmdenken“ aufrechtzuerhalten. Die starke Konzentration auf den Entwurf, die intensive Arbeit im Atelier und die Gepflogenheiten bei Präsentationen und Entwurfskritik bergen, neben allen Vorteilen, die sie zweifellos auch haben, zugleich die Gefahr, dass außerarchitektonische Ansprüche und Sichtweisen von den Studierenden als irrelevant erlebt werden (vgl. Rambow, 2000). Die kreative Aufgabe des Entwerfens wird kognitiv und motivational entkoppelt von der sozialen Aufgabe der Vermittlung.



Diese Entkopplung zu korrigieren, darin besteht eine der wesentlichen zukünftigen Herausforderungen an die Architekturfakultäten. Hierfür müssen Lehrformate entwickelt und praktiziert werden, die vielfältige Schnittstellen zwischen Entwurf und „Außenwelt“ in die Lehre integrieren, sodass der Entwurf als kreativer und kommunikativer Prozess zugleich begriffen werden kann. Dafür gibt es keinen Königsweg; eine sinnvolle Strategie könnte darin bestehen, zunächst eine Bestandsaufnahme vorzunehmen, in welcher Weise derzeit an den Ausbildungsinstitutionen mit dem Thema Kommunikation umgegangen wird. Darauf aufbauend könnte ein landesweites Forschungsprojekt sich der Entwicklung und Evaluation innovativer Lehrformen widmen. Hierfür sollten gezielte Kooperationen mit Fachleuten anderer Disziplinen wie Hochschuldidaktik, Pädagogik, Psychologie oder Kommunikationswissenschaften angestrebt werden. Vorbildhaft in dieser Hinsicht ist das britische Projekt CUDE (Clients and User in Design Education, vgl. Nicol & Pilling, 2000). Das Ziel dieser Bemühungen muss darin bestehen, Kommunikation nicht als isolierte „Schlüsselqualifikation“ zusätzlich in die Curricula aufzunehmen, sondern sie als wesentlichen Bestandteil der beruflichen Grundkompetenz im gesamten Studienverlauf zu integrieren, um dadurch ein kontinuierliches Einüben zu ermöglichen (Rambow, 2004).
Quellen
 

Nicol, D. & Pilling, S. (Eds.). (2000). Changing architectural education: towards a new professionalism. London: E & FN Spon.


Rambow, R. (2000). Experten-Laien-Kommunikation in der Architektur. Münster:Waxmann.


Rambow, R. (2004). Entwerfen und Kommunikation. In A. Hahn (Hrsg.), Ausdruck und Gebrauch. Dresdner wissenschaftliche Halbjahreshefte für Architektur Wohnen Umwelt, Heft 4 (S. 103 – 124).
Aachen: Shaker.