Architekturvermittlung

Die Österreichische Gesellschaft für Architektur (ÖGFA) betreibt seit mehr als 40 Jahren Architekturvermittlung. Eine wichtige Voraussetzung für die Arbeit ist die Erkenntnis, dass Architekturvermittlung keine Einbahnstraße ist. Manchmal wird Architekturvermittlung als öffentlich gefördertes Marketing, als „Erziehung“ der Menschen zu besserem architektonischem Geschmack verstanden, was dazu führen sollte, dass mehr ArchitektInnen, und vor allem mehr gute ArchitektInnen, Bauaufträge erhalten sollten. Ein solcher Zugang hat sicherlich auch Argumente für sich, aber: So funktioniert die Welt nicht mehr, und zwar ungefähr seit dem josephinischen aufgeklärten Absolutismus. Vermittlung ist nicht Erziehung und schon gar nicht Marketing. Im Psychologie-Kontext meint das entsprechende Fremdwort „Mediation“ einen Prozess, der zum Ausgleich zwischen unterschiedlichen Ansichten und Interessen führt, womit sich schon zeigt, dass es um zumindest zwei gleichberechtigte Seiten gehen muss. Und wenn man das Feld betrachtet, das der Architekturvermittlung vielleicht am nächsten liegt, nämlich die Kunstvermittlung, wird klar, was das Problem ist. In den zumindest im europäischen Kontext vermutlich innovativsten Museen, nämlich den englischen, bedeutet Vermittlung zunehmend Partizipation: BesucherInnen sind nicht KonsumentInnen, sondern TeilnehmerInnen. Kunst und Kultur sind nicht ein Stoff, der an Interessierte kommuniziert wird, sondern etwas, das Beteiligung erfordert, um realisiert zu werden.