Architekturvermittlung

Das flächenmäßig größte Bundesland Österreichs mit einem Netzwerk der Architektur überziehen – ein reizvoller Gedanke, der 1994 zur Gründung des Vereins ORTE führte. Als Initiative einzelner ArchitektInnen gestartet, hat ORTE seitdem Fäden zwischen Stadt und Land, zwischen Bauwirtschaft, Politik und Kultur geknüpft und wirft sein Netz zuweilen auch in die Gewässer benachbarter Regionen. Überraschende Verbindungen und neue Knotenpunkte gehören zum Konzept des Netzwerks.

Grundlage dieses Konzepts ist die spezifische Struktur Niederösterreichs. In der späten Hauptstadt St. Pölten formiert sich erst langsam jenes bürgerliche Milieu, in dem anderswo der Architekturdiskurs beheimatet ist. Auch die Kultur- und Wissenschaftsstadt Krems ist noch nicht zu Ende erfunden; die Positionierung des ORTE-Büros an der Kremser Kunstmeile hat daher geradezu programmatischen Charakter. ORTEs Orte sind die Landstädte und Regionen Niederösterreichs, mit jeweils unterschiedlichen ProtagonistInnen der Baukultur, die sich teils unbefangen und dynamisch, teils statisch und verschlossen der gebauten Umwelt nähern.

Baukultur definiert sich in diesem Kontext nicht nur ästhetisch, sondern auch als soziales Phänomen. Das Gespräch über Architektur kann deshalb nicht nur objektbezogen geführt werden. Die Erkenntnis, dass Natur und Kultur gleichermaßen Ressourcen des Bauens
sind, ist ebenso ein Thema wie die Frage nach dem angemessenen und selbstbewussten Umgang mit den regionalen Bautraditionen. Dies kann nur mit politischer Unterstützung und auf einer soliden Informationsbasis (Publikationen, Datenbanken etc.) gelingen. Letztendlich geht es darum, die Basis dafür zu schaffen, die eigene Geschichte der Architektur zu erzählen und zu gestalten, nicht mehr, aber auch nicht weniger.