Architekturvermittlung

Strategien zum architekturpolitischen Dialog: Die dritte Säule der Architekturvermittlung und das Modell einer Plattform Architektur am Beispiel Steiermark

Harald Saiko
 
Seit der Initiative eines Architekturmuseums für Österreich in den 1980er Jahren durch den damaligen Bundesminister Erhard Busek hat sich die „Architekturvermittlung“ in Österreich international anerkannt entwickelt. Denn obwohl diese Initiative vorerst in Wien an der fehlenden Einigkeit der VertreterInnen der Architekturszene gescheitert ist, fiel die Idee in der Steiermark auf fruchtbaren Boden. Der architekturbegeisterte Landesbedienstete Wolfdieter Dreibholz brachte die Idee mit und wurde von den wesentlichen VertreterInnen der regionalen Architekturinstitutionen wie etwa Architektenkammer, Zentralvereinigung und Hochschule unterstützt. Ein im Konsens verfasstes „Memorandum“ führte zur Gründung des HDA (Haus der Architektur) in Graz im Jahre 1988. Mit konkretem Haus, Infrastruktur und laufenden Aktivitäten wurde das HDA ein operativer Ansprechpartner für Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Öffentlichkeit in Graz und in der Steiermark.

In den 1990er Jahren verbreitete sich diese Idee durch Unterstützung des folgenden Bundesministers Rudolf Scholten in alle Bundesländer, wo nunmehr überall ein „Haus der Architektur“ betrieben wird. Durch Zusammenschluss in der Architekturstiftung Österreich gibt es ein gemeinsames, offenes Netzwerk österreichischer Architekturinitiativen mit den Merkmalen der Unabhängigkeit und der Selbstverpflichtung zur Förderung und Vermittlung von qualitätvoller Baukultur. So entstand in den letzten 20 Jahren neben den gesetzlichen Berufsverbänden und den ebenso gesetzlich geregelten Ausbildungsstätten eine wichtige 3. Säule zur Sicherung der Baukultur in ganz Österreich. Und diese Entwicklung verstärkt sich in Zeiten der Ökonomisierung der Kultur sowie der zunehmend „kulturellen“ Ausprägung der Ökonomie. Denn während Berufsvertretungen und Ausbildungsstätten sich zunehmend auf die Veränderungen und Anforderungen ihrer Kernbereiche konzentrieren müssen und dies zum Teil gesetzlich vorgegeben wird, können die freien Institutionen der Architekturvermittlung andere Aufgaben übernehmen. Dies sind neben der Darstellung und Vermittlung von Baukultur an die Öffentlichkeit zunehmend Aufgaben „öffentlichen Interesses“: Beratung von Gebietskörperschaften in Qualitätsfragen allgemein oder bei der Umsetzung öffentlicher Bauaufgaben, bei der Abwicklung von Architekturwettbewerben, Architekturpreisen oder Fachexkursionen. Diese Aufgaben stehen mit dem qualitativen Selbstverständnis und der Unabhängigkeit der so genannten Architekturhäuser von einzelnen ArchitektInnen in Einklang.

Folgerichtig müssen also aus „Plattformen“ gemeinsamer Interessenslagen auch entsprechend dauerhafte und strukturell „richtige“ Werkzeuge für die Auseinandersetzung der Gesellschaft mit den Interessen geschaffen werden. Als derartiges Werkzeug sei ein weiteres Beispiel aus der Steiermark genannt, nämlich das Internetportal www.gat.st für Architektur und Lebensraum. Auch dieses Tool der Architekturvermittlung wurde als Konsens der regionalen Architekturinstitutionen geschaffen, um alle Belange zur Architektur in einem gemeinsamen Schaufenster im Internet zu veröffentlichen. Bei anderen, anlassbezogenen Themen wiederum konnte oft nicht schnell genug oder ausreichend konsensual eine „Plattform“ gebildet werden.

Als Conclusio aus dem steirischen Beispiel kann also erkannt werden, dass für einen architekturpolitischen Dialog eine „Plattform“ zwar die Initiative sein kann, für dessen Kontinuität aber auch entsprechend kompetente institutionelle Werkzeuge gesichert sein müssen. Die in den letzten 20 Jahren in Österreich entstandene institutionalisierte Architekturvermittlung der freien Architekturinitiativen leistet diesen Dialog bereits in Permanenz. Letztendlich kann dieses Netzwerk auch temporäre „Plattformen“ ermöglichen und unterstützen. Dies ist im Übrigen auch beim laufenden Prozess für Architekturpolitik und Baukultur mit dem Nationalrat der Fall, der auf das bereits bestehende Netzwerk der ArchitekturvermittlerInnen in allen Bundesländern aufbauen konnte.