Wie passiert die Beratung und Entscheidungsfindung der BürgermeisterInnen?

In etlichen größeren österreichischen Städten wurden zur Unterstützung und Beratung der jeweiligen Baubehörden und teilweise auch der Bevölkerung fachliche Beiräte eingerichtet, um eine gestalterische Qualität bei Bauvorhaben sicherzustellen. Diese Einrichtung erfolgt autonom und entsprechend der landesspezifischen rechtlichen Rahmenbedingungen. In Salzburg wurde zum Beispiel der erste informelle Beirat 1983 eingerichtet und 1993 aufgrund der positiven Erfahrungen rechtlich verankert.

Diese Gestaltungsbeiräte, die unterschiedliche Bezeichnungen führen (z. B. Fachbeirat für Stadtplanung und Stadtgestaltung, Architekturbeirat, Stadtbaubeirat), werden in der Regel aus externen ExpertInnen (vorwiegend ArchitektInnen, zwischen 3 und 5 Personen)
besetzt. In einzelnen Städten kann auch ein Vertreter der Stadtverwaltung Mitglied dieser Beratungsgruppe sein. Unterschiede gibt es auch bei der Frage, ob die ArchitektInnen ortsansässig sind oder nicht.

Die Kompetenzen sind ebenfalls unterschiedlich geregelt und so sind in einigen Städten die Beiräte aufgefordert, auch zu Fragen, die über das Stadtbild hinausgehen, Stellungnahmen abzugeben. Generell haben diese Stellungnahmen die Bedeutung von Gutachten und beraten in erster Linie die Verwaltung im Vorverfahren. Es gibt aber auch Städte, in denen sich BürgerInnen direkt mit Fragen zur Gestaltung an den Beirat wenden können, was dort großen Anklang findet.

Meist liegt es im Ermessen der jeweiligen Stadt, ob Bauvorhaben im Gestaltungsbeirat behandelt werden oder nicht. Ein wesentliches Kriterium ist neben der Größe eines Projektes die Frage, ob das Vorhaben in einer sensiblen Zone (innerstädtische Kernzonen
oder Denkmalschutz) liegt oder einen exponierten Standort hat. In solchen Fällen werden auch sehr kleine Projekte, wie zum Beispiel Portalgestaltungen oder Fassendenrenovierungen, an den Beirat zwingend weitergleitet.

Die Kosten und Nutzen der Beiräte sind schwer zu quantifizieren. Seitens VertreterInnen der Verwaltungen wird aber betont, dass die Kosten dieser Prüfungen im Vorfeld durch kürzere und effizientere Verfahren sehr schnell wieder hereingebracht werden. Die Gestaltungsbeiräte werden als absolut positiv angesehen und leisten bei der Objektivierung von Bauverfahren einen wesentlichen Beitrag. Auch kann eine Steigerung der Qualität von Projekten beobachtet werden und die Wettbewerbsbereitschaft bei Bauträgern hat sich erhöht.