Verankerung des Prinzips Baukultur und BauherrInnenverantwortung

Ethik im Vergabewesen

Wolfgang Oberndorfer

Unter Ethik werden „allgemeingültige Normen und Maximen der Lebensführung, die sich aus der Verantwortung gegenüber anderen herleiten“ (Duden) verstanden. Im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Abwicklung von Bauprojekten – und nur dazu fühlt sich der Verfasser kompetent, etwas von sich zu geben – geht es um den optimalen Einsatz von Methoden und Ressourcen, um BauherrInnenziele und ökologische und soziale Ziele der Gesellschaft in einer Synthese zu harmonisieren. Dieses Spannungsfeld kann hier nur mit einigen Facetten bewusst gemacht werden; alles Weitere würde einen anderen Rahmen benötigen.

  • Im Vergabewesen wird ja durch das Bundesvergabegesetz ein wettbewerbs-, transparenz- und fairnessförderndes Verfahren vorgegeben, das auch für private BauherrInnen Vorbild haben sollte. Darüber hinaus werden exemplarisch einige Freiräume der BauherrInnen angeführt, in denen gesellschaftlich optimale Verhaltensweisen möglich sind, aber vom Gesetz nicht unbedingt so gefordert werden:  
  • Die Vergabe geistiger Leistungen sollte sich vornehmlich an der Kompetenz, Erfahrung, Fähigkeit zur Netzwerkbildung und am Humankapital der PlanerInnen orientieren und nur in geringstem Maß am Honorar. Planungsqualität hat ihren Preis.
  • Kein Planer hat ein Monopol auf die beste Idee; das Potenzial für bessere Ideen ist immer vorhanden.Warum versperren sich BauherrInnen den Zugang dazu durch einen Ausschluss von Alternativangeboten? (Meistens nur deshalb, weil es der vergaberechtlich einfachste Weg ist.)
  • Planungs- und Systemwettbewerbe fördern die Kreativität und den Wettbewerb. Sie können auch mit dem System der TotalunternehmerInnen realisiert werden. Dass dabei die PlanerInnen nicht unter die Räder der Baufirmen kommen, können BauherrInnen sehr wohl steuern.
  • Bei der Planung neuartiger oder sehr komplexer Tragkonstruktionen müssen BauherrInnen sich bewusst sein, dass auch den besten PlanerInnen Fehler unterlaufen können. Das Argument „die StatikerInnen haften sowieso“ geht zweifach ins Leere: Erstens wenn StatikerInnen durch einen Schadensfall in den Konkurs getrieben werden, und zweitens wenn es Verletzte oder gar Tote zu beklagen gibt. Deshalb ist eine begleitende Kontrolle bei komplexen Tragkonstruktionen (= PrüfstatikerIn) schon längst „best practice“.
  • Als klassischer Managementfehler hat sich erwiesen, Planung und örtliche Bauaufsicht – ÖBA in eine Hand zu legen.Wie sollen da durch die ÖBA Planungsfehler entdeckt werden?
  • Die Vergabe einer externen begleitenden Kontrolle in der Ausführungsphase bietet grundsätzlich viele positive Effekte, wenn sie von erfahrenen Damen/Herren mit technischem, bauwirtschaftlichem und bauvertraglichem Verständnis ausgeübt wird.Wenn sie jedoch von BauherrInnen verwendet wird, um in die Projektorganisation „hineinzuregieren“, wird die Effizienz letzterer unterlaufen und es werden unklare Verhältnisse geschaffen.


Auch im Vertragswesen existieren zwar Vertragsnormen (ÖNORMEN), die jedoch oft in unsinniger Weise verändert werden und so zu einer Riskenverteilung führen, die nicht selten von den JuristInnen als „gröbliche Benachteiligung“ qualifiziert wird. Neben dem Dauerbrenner „Abänderung der ÖNORMEN“  werden exemplarisch noch angeführt:
  • Im Bauvertrag sollten sich partnerschaftliche Denkansätze wiederfinden, weil BauherrIn und BauunternehmerIn das gleiche Ziel haben: ein mängelfreies termingerechtes Werk zu erstellen und zu übernehmen. In den Vertrag gehören Verfahren zur Konfliktvermeidung und Konfliktlösung.
  • Die Vorteile eines GeneralunternehmerInnenvertrages sind für BauherrInnen derart gewichtig,dass sie sich diese Abwicklungsform nicht madig machen lassen müssen. Allerdings sollte die Auswahl der SubunternehmerInnen so gestaltet sein, dass Qualität und Termin nicht durch „ausgebeutete“ SubunternehmerInnen gefährdet sind.
  • Vollends abzulehnen sind so genannte „offene GeneralunternehmerInnen“, bei denen BauherrInnen die SubunternehmerInnen aussuchen und den GeneralunternehmerInnen überbinden. Dies führt regelmäßig zu Verzügen bei der Vergabe, manches Mal auch zu Konkurs der SubunternehmerInnen und zu einem Zusammenspannen von unbekannten UnternehmerInnen.Würde man so eine Fußballmannschaft bilden?
  • Bei Bauwerken, bei denen der Anteil der technischen/maschinellen Gebäudeausrüstung hoch ist, werden fallweise neben der Planung noch funktionale Vorgaben vertraglich festgeschrieben (z.B. bei hochtechnisierten Hochbauten, Kläranlagen). Sie sind dann extrem unfair, wenn damit nur die Absicherung einer oberflächlichen Planung beabsichtigt wird. In solchen Fällen verhindern BauherrInnen bewusst einen fairen Bauvertrag.

Diese 10 Punkte sollen beispielhaft vergegenwärtigen, was BauherrInnen zwar zivilrechtlich machen dürfen, was aber zum Ärgernis für die PlanerInnen und DienstleisterInnen, UnternehmerInnen, manchmal auch AnrainerInnen und NutzerInnen werden kann. Die Verantwortung gegenüber anderen nehmen sie in diesen 10 Beispielen bei der inkriminierten Verhaltensweise nicht wahr. Und genau darum geht es dem Verfasser bei diesem Input.