Bildung und Ausbildung

Die (Aus)Bildung der ArchitektInnen: ein unterschätztes Potenzial!
Die EU-weite Einführung des Bachelor-/Master-Systems in der ArchitektInnenausbildung gilt als Erfolg europäischer Bildungspolitik. Dieser erscheint vor dem Hintergrund großer Unterschiede des nachgefragten Berufsbildes (und damit verbunden des Lehrinhaltes) in den einzelnen Mitgliedsstaaten vorerst von geringer inhaltlicher Bedeutung. Die Berufsanerkennungsrichtlinie der EU negiert die regionalen Unterschiede natürlich ebenso. Ein einheitliches Recht und einheitliche Chancen für alle im Berufsfeld Tätigen ist das Ziel. Das österreichische Ziviltechnikergesetz – ZTG steht dem jedoch – für ÖsterreicherInnen! – entgegen und begünstigt ein eigenes „Mikroklima“ österreichischer Planungskultur inklusive abgedrängter „Subkultur“.
Die immer noch recht umfassende Ausbildung der ArchitektInnen ist nicht das, was sich die großen Planungsbüros wünschen. In jeder anderen Branche hätten diese längst den individualistischen Kleinstrukturen keinen Platz mehr gelassen. Es ist nur logisch, dass Kritik am Bildungssystem am vehementesten von dieser Seite formuliert wird. Dabei täte ein ernsthafter Diskurs über Sinn und Zukunft der ArchitektInnenausbildung durchaus Not. In Bedrängnis gerät durch den immer stärker gekürzten Umfang der Studien nämlich weniger die „praxisgerechte Ausbildung“, sondern die Möglichkeit zur Entwicklung von Rückgrat und Standpunkt.

Planen kann heute weniger denn je nur auf die unmittelbare funktionale Bedürfnisbefriedigung abzielen. Soziale und ökologische Aspekte, erhöhtes Bedürfnis nach Rechtssicherheit und ein mit gestiegenem Lebensstandard höherer Anspruch an Qualität nicht nur bezüglich der Bauweise, sondern auch der Struktur von Bauwerken, erfordern die Abhandlung von Bauaufgaben mit einer Kreativität, die straff wirtschaftlich geführte Strukturen einerseits, PlanerInnen mit weniger breiter Ausbildung andererseits nur schwer leisten können.

Durch einfache Maßnahmen (z. B. die Verknüpfung der Wohnbauförderung mit der Beauftragung von PlanerInnen, deren Ausbildung ein Eingehen auf diese Herausforderungen ermöglicht) könnte seitens der EntscheidungsträgerInnen das Potenzial der AbsolventInnen österreichischer Universitäten wesentlich besser genutzt werden.