Verankerung des Prinzips
Baukultur und BauherrInnenverantwortung

BauherrInnenverantwortung
und AuftraggeberInnenqualtitäten

Peter Holzer

Verankerung des Prinzips Baukultur und BauherrInnenverantwortung

Das Wort Baukultur besteht aus zwei Begriffen, Bau und Kultur. Was man unter einem Bau – oder erweitert „Bauwerk“ – versteht, ist relativ einfach definiert. Mit dem Begriff „Kultur“ tut man sich schon entschieden schwerer, eine saubere Erklärung zu finden. Die verbale Verbindung beider Begriffe hilft nicht weiter. Mit dem Begriff Bau (Bauwerk) möchte ich mich eigentlich nicht weiter befassen, es ist wesentlich aufregender, Kultur und erst dann die Verbindung beider Begriffe zu definieren.
Ich sehe im Wort Kultur einmal das spiegelbildliche Gesamtverhalten einer Gesellschaft, abstrahiert dargestellt, wie man lebt, wohnt, arbeitet, seine Freizeit gestaltet usw. Das kann sehr positiv, aber auch durchaus destruktiv sein, zukunftsträchtig bis selbstzerstörend. Die Palette ist nach beiden Richtungen offen. Weiters ist nachzuweisen, dass man Kultur sowohl bei armen als auch bei sehr reichen Volkswirtschaften findet. Mein Schluss ist daher, dass die spiegelbildliche Deutung des Wortes Kultur in Verbindung mit dem Bau nicht weiterhilft, denn dann wäre alles Baukultur. Es muss wohl anders gemeint sein, das Wort Baukultur.

 

Ein Versuch der Erklärung

Das Wort Kultur als Krücke zur Wertigkeit. Kultur als Ausleseprinzip im Sinne von Klassik; Kultur als Wert an sich ohne zeitliche Begrenzung – ewig, Kultur als intellektuelles Spannungsfeld, Kultur als Sehnsucht nach Vollendung.

Jetzt macht das Wort Baukultur Sinn.

Ein Bauwerk in absoluter Vollendung hinsichtlich Funktionalität, handwerklicher Materialgerechtigkeit (Qualität) und emotionaler Berührtheit. Ein Beispiel darf zitiert werden: Die Villa Rotonda in Vincenza von Andrea Palladio. Der von uns verfasste Baukulturreport soll aber beide Seiten der Definition von Baukultur aufzeigen. Zum einen,was und vor allem wie baut Österreich wirklich und welche Prozesse stehen hinter der Realität, und zum anderen, wie könnte man Baukultur im Sinne meiner zweiten Erklärung – sich der Klassik anzunähern – erreichen.

Wie es in Österreich wirklich zugeht, ist Sache anderer StudienautorInnen – es wird in diesem Report ausführlich darüber berichtet.

Meine Aufgabe ist es zu versuchen, Methoden aufzuzeigen, die das Bauen im Sinne optimierter Kriterien ermöglicht. Dazu sind zwei Dinge zu beachten:
  1. Die BauherrInnen = AuftraggeberInnen sollten erfüllt sein von dem Willen, dieihnen gestellte Aufgabe ehrlich und geradlinig zu erfüllen. Bauen ist auch eine Herzensangelegenheit und darf nicht von Hintergedanken unlauterer Art verwässert werden. Ich kenne viele BauherrInnen – leider auch in sehr hohen einflussreichen Positionen –, die eigentlich diese emotionale Bindung zur Aufgabenicht mitbringen. Aber zum Glück gibt es auch andere ...
  2. Die Prozesse = Abläufe bei Planung und Durchführung eines Bauvorhabens. Dieser Teil wird den eigentlichen Umfang meiner Betrachtung ausmachen, weil ich überzeugt bin, dass alleine die richtige Anwendung der prozessualen Abläufe eine ordentliche, herzeigbare Arbeit hinterlässt. Schon Vitruv beschreibt in seinen 10 Büchern über Architektur alle Techniken für richtiges Bauen, und Generationen von Bauschaffenden sind damit gut gefahren. Bevor ich mich den Prozessabläufen im Detail zuwende,möchte ich noch einige Gedanken vorab darlegen:Was unterscheidet die öffentlichen AuftraggeberInnen von privaten AuftraggeberInnen?

Bevor ich mich den Prozessabläufen im Detail zuwende,möchte ich noch einige Gedanken vorab darlegen: Was unterscheidet die öffentlichen AuftraggeberInnen von privaten AuftraggeberInnen?

Die öffentlichen AuftraggeberInnen sind Träger einer besonderen Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Sie haben Vorbildfunktion und sind SachwalterInnen der BürgerInnen. Ein öffentliches Gebäude ist Spiegelbild unserer Gesellschaft, es drückt das gesellschaftspolitische Klima einer Kommune aus.
Die öffentlichen AuftraggeberInnen sind auch an ein striktes Regelwerk in Vergabe von Planungs- und Bauleistungen gebunden, das sicherstellt, dass nicht einseitige Interessensituationen überwiegen. Die Förderung von jungen PlanerInnen ist eine besondere Herausforderung an die öffentliche Hand und stellt ein wichtiges Kriterium in der Schöpfung kreativer Potenziale dar. Sehr zum Schaden unserer Baukultur wird diese Verantwortung von öffentlichen AuftraggeberInnen nicht immer wahrgenommen. Vielleicht sind die Zuständigkeiten zu breit gefächert, die Planenden haben ihre Ansprechpersonen verloren, die staatlichen Kompetenzzentren für öffentliches Bauen sind abhanden gekommen.

Die öffentlichen AuftraggeberInnen sollten auch VerfechterInnen von sauber getrennten Prozessen in Planung und Durchführung sein. Die so genannten „Paketlösungen“ (Planen, Bauen, Finanzieren usw.) erzeugen Interessenkonflikte zwischen den Prozessen und münden meist in ein Defizit für die Baukultur.

Ein wesentlicher Beitrag zum Gelingen eines öffentlichen Bauvorhabens – und hier sollten auch der Tiefbau, Straßen- und Verkehrsbau, Landschaftsarchitektur im Besonderen einbezogen werden – liegt in der BürgerInnenbeteiligung. Diese Beteiligung ist an den Beginn der Planung zu legen, ein bloßes „Verkaufen“ von bereits fertiggestellten Planungen ist kontraproduktiv. Weiters ist darauf zu achten, dass Gestaltungsbeiräte sowie das Mitwirken des Denkmalamtes nicht als Hemmnis, sondern als konstruktive PartnerInnen im Planungsprozess angesehen werden.


Die Prozesse

Eine Bauaufgabe wird nicht fertig definiert den AuftraggeberInnen oder BauherrInnen- Verantwortlichen auf den Tisch gelegt. Am Beginn steht immer eine Idee, noch völlig unausgegoren, aber verbunden mit einem starken Willen zur Realisierung.

In dieser Phase der Definition des Bedarfes und ersten Überlegungen zu betriebswirtschaftlichen Parametern wird das erste „Sizing“ des Projektes festgemacht. In dieser ganz entscheidenden Prozessphase können folgenschwere Fehler passieren, die Grobdimensionierung eines Projektes ist der Schlüssel zum Erfolg oder Misserfolg. Heute wissen wir, dass am Beispiel Universitätsplanungen bedeutende Fehleinschätzungen hinsichtlich Studierendenzahl als auch Studienfächer zugrunde gelegt wurden. Diese führten in den 1970er und 1980er Jahren zu Gebäudelösungen, die heute komplett obsolet sind. Der Lebenszyklus ist von 50 Jahren auf 20 – 25 Jahre gesunken (Beispiele: Wirtschaftsuniversität Wien, Institutsgebäude der Technischen UniversitätWien). Die Bauweisen und Konstruktionsprinzipien wurden vielfach in einer Weise festgelegt, die eine sinnvolle und wirtschaftlich vertretbare Generalsanierung nicht zulassen (Beispiel: UNIQA-Hochhaus in Wien). Es wird sich zeigen, ob die zeitgenössische Glas-Stahl-Architektur ein geeigneter Lösungsansatz zur Verlängerung des Lebenszyklus ist.

Das Raum- und Funktionsprogramm ist eine der wichtigsten Planungsgrundlagen und begleitet das Bauvorhaben vom ersten Schritt bis zur Übergabe an

die NutzerInnen. Je ausgereifter und überlegter dieses Raum- und Funktionsprogrammerstellt wird, desto besser für das Projekt und seine Beteiligten. Der Wille, dieses Programm auch nicht mehr zu ändern, sollte den Erstellenden von Beginn an als Leitgedanke ein Anliegen sein. Jede Änderung öffnet Tür und Tor für Nachforderungen der Planenden und Ausführenden und schlägt sich in Zeitverzug nieder. Es empfiehlt sich, das technische und betriebswirtschaftliche Modell auch einer externen Überprüfung zuzuführen, jeder Fehler in dieser Projektphasemuss vermieden werden. Als nächster Schritt sollten möglichst bald die BauherrInnen/AuftraggeberInnen definiert werden. Die TeamleiterInnen, ihre MitarbeiterInnen sind zu gruppieren, Kompetenzen und organisatorische Einbindungin das Unternehmen sind festzulegen. Nichts ist schlimmer, als ein Bauprojekt ohne genaue Verantwortlichkeit im Unternehmen „dahinfahren“ zu lassen. Die Qualifikation der TeamleiterInnen und ihrer MitarbeiterInnen ist das nächste wichtige Kriterium zum Erfolg eines Projektes. Identifikation mit der Aufgabe und hohe Einsatzbereitschaft sind Grundvoraussetzung. Besondere Dialogfähigkeit mit PlanerInnen und Ausführenden wird gefordert; das bedeutet, dass die fachliche Ausbildung der ProjektleiterInnen den gleichen Level wie jene der künftigen VertragspartnerInnen haben muss.

 

Die Grundstückssuche

Glücklich, wer ein geeignetes Grundstück besitzt. Leider ist das nicht immer derFall, sodass zur Umsetzung einer Bauaufgabe der Prozess der Grundstückssuche durchschritten wird. Neben Größe, Bebaubarkeit, Erreichbarkeit mit öffentlichem und Individualverkehr empfehle ich Bindungsfreiheit von PlanerInnen und Baufirmen. Jede Bindung verzerrt den Wettbewerb. Leider ist der Markt an ungebundenen Grundstückenschmal geworden, man sollte in jedem Fall vor Kaufvertragsabschluss möglichst viel Spielraum für Planungs- und Ausführungswettbewerb aushandeln. Die Methodik der Grundstückssuche wird am besten mit gewichteten Kriterien vorgenommen, Qualität ist der beste langfristige Garant für Werterhalt. Hand in Hand erfolgt im Selektionsprozess die Überprüfung der Bebaubarkeit anhand von Baumassenmodellen sowie die erste Kontaktaufnahme zur Baubehörde (Stadtplanung). Die Bereiche Städtebau, Verkehr, Umwelt, Grundbau, Bodenmechanik, Klima, Infrastruktur sind mittels Einsatz von Sonderfachleuten zu prüfen bzw. Empfehlungen auszuarbeiten.

Alle diese Vorgänge werden begleitet von der Kostenberechnung, die laufend, je nach Schärfe der Prozesse, verfeinert wird. Zu jeder Phase eines Projektes muss der Kostenstand bekannt sein. Nicht nur die aktuellen Kosten sind zu ermitteln, es empfiehlt sich, bis zum prognostizierten Bauende zu valorisieren und auch schon die Lebenszykluskosten, beginnend mit einer Einschätzung der jährlichen Betriebs- und Instandhaltungskosten, zu berechnen. Das Projektteam sollte behördliche Vorabstimmungen noch vor dem Abschluss eines Kaufvertrages vornehmen, um vor bösen Überraschungen gefeit zu sein. Nach erfolgtem Kauf des Grundstückes wird ein PlanerInnen-/Planungsteam mit den erforderlichen Planungsaufgaben betraut. Hiefür empfiehlt sich, bzw.ist es für die öffentlichen AuftraggeberInnen verpflichtend, einen baukünstlerischen Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen auszuschreiben. Diese Projektstufe ist besonders heikel, Fehler, die in dieser Phase passieren, sind leider oft festzustellen und nur mehr teuer zu reparieren; nachstehend aufgelisteten Fehlern bin ich immer wieder begegnet:

 

  1. Die Vermeidung des Wettbewerbs aus allen erdenklichen Gründen (Zeit, Geld, Bindung durch Grundkauf usw.) und die damit verbundene Direktvergabe von Planungsleistungen reduziert die automatische Vielfalt an Lösungen.

  2. Fehlerhafte Abwicklung des Wettbewerbsverfahrens. Es hagelt Einsprüche der MitbewerberInnen. Dies kostet Zeit, Geld, zurück bleibt Unbehagen.

  3. Inkompetente Jury, Auswahl eines Projektes, das den AuftraggeberInnen keine optimale Lösung ihrer Bauaufgabe vermittelt. Es entsteht ein Mangel an Identifikation.

Es wird empfohlen, alles vorhandene Kreativpotenzial der IngenieurInnen und PlanerInnen zu schöpfen und die Zeit und den Aufwand nicht zu scheuen, ein ordentliches Wettbewerbsverfahren abzuwickeln. Der gestalterische Entwurf einer Bauaufgabe – wenngleich noch in einem sehr kleinen Maßstab – ist eine der ganz wichtigen Phasen einer Bauaufgabe.
Hier entscheidet sich Kultur oder Unkultur. Bitte lassen Sie nur wirklich gute JurorInnen an die Entscheidung, die Einbindung der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten ist auf jeden Fall zu empfehlen! Nach erfolgter Auslobung ist mittels professioneller Öffentlichkeitsarbeit der Bestbieter vorzustellen. Vielfach verfügt der Gewinner des Wettbewerbs nicht über das Gesamtrepertoire der erforderlichen Sonderfachleute für die vollständige Umsetzung der nunmehr beginnenden Planungsarbeiten. Die BauherrInnen sollten mithelfen, ein Planungsteam zu rekrutieren, das auf künstlerisches und technisches Potenzial Rücksicht nimmt. Die Formung einer leistungsfähigen Gruppe ist von ganz entscheidender Bedeutung. Die Projektumsetzung beginnt mit den Planungsphasen Vorentwurf und Entwurfsplanung. Besonders im Vorentwurf ist darauf zu achten, dass die in der Projektvorbereitungsphaseerstellten betriebswirtschaftlichen Annahmen Deckung finden. Das„Sizing“ muss sich jetzt im Vorentwurf wiederfinden. Abweichungen sind leichterkennbar und ohne großen zeitlichen oder Gebührenaufwand zu korrigieren.Das größte Potenzial an Einsparungsmaßnahmen zum Baubudget ist jetzt erreichbar. Jeder spätere Eingriff ist teuer und hat zahlreiche ungünstige Nebeneffekte. BauherrInnen sind aufgerufen, intensive Zusammenarbeit mit den PlanerInnen zu suchen, den Dialog zu forcieren und allfällige Defizite zwischen den PlanungsmitarbeiterInnen zu beheben. Jedes Verschieben einer Entscheidung auf eine nachfolgende Phase verschlimmert die Situation, wenn nötig müssen BauherrInnen umgehend eingreifen. Schlussendlich ist eine Freigabe des Vorentwurfes durch BauherrInnen anzusprechen. Wichtig dabei ist, dass diese Freigabe die Hochbauplanung und Planung sämtlicher Sonderfachleute umfasst. Als nächster Schritt wird die Entwurfsplanung begonnen. Die Entwurfsplanung ist nicht ein vergrößerter Vorentwurf, sondern hat bereits alle Schlüsseldetails zu enthalten, die für eine exakte Kostenermittlung relevant sind. Das bedeutet, dass sämtliche wesentliche Details bereits in einem größeren Maßstab durchdacht werden und vom Bauherrn akzeptiert sind. Das beinhaltet baubehördlich abgestimmte Grundrisse, Schnitte und Fassadenansichten, Farb- und Materialkonzepte in bemusterter Form, Modelldarstellungen, Berechnungen für Haustechnik und Bauphysik, statische Planung und Berechnung des Tragwerkes, Grundbau und Bodenmechanik, Besonnungs- und Beschattungsdiagramme etc. Änderungswünsche an der Planung bringen bereits eine Reihe von umfangreichen Planungsleistungen mit sich, die sehr kostenintensiv sind. Die Planungsschärfe lässt bereits eine exakte Kostenberechnung des Bauvorhabens zu. Auch die Entwurfsplanung muss einer formalen Freigabe seitens der AuftraggeberInnen unterzogen werden. Jetzt kann mit der Einreichplanung und damit verbunden mit der baubehördlichen Genehmigung begonnen werden.


Über die Zusammenarbeit

Während des Planungsverlaufes entwickelt sich zwischen BauherrInnen und PlanerInnen ein sehr intensives Arbeitsverhältnis. Im günstigen Fall verstehen es beide Seiten durch Einbringung des jeweiligen Kreativpotenzials, permanente Gestaltungsprozesse zu bewältigen, ich meine, dass diese Situation der Nährboden zur Schaffung von Baukultur sein kann.

Überhaupt ist das Klima guter gemeinsamer Teamarbeit eine der Grundvoraussetzungen für ein gelungenes Projekt. Die Pflege dieses guten Klimas liegt zum größten Teil in der Hand des Bauherrn/der Bauherrin.

Fairer Umgang miteinander, ehrliches Auseinandersetzen mit der Meinung der anderen stellen die Grundrequisiten eines erfolgreichen Arbeitprozesses dar. Die PlanerInnen sollten es aber unbedingt vermeiden, die AuftraggeberInnen durch „hyperkreative“ Lösungen zu überfordern, der Boden der Realität sollte nicht verlassen werden.


Projektumsetzung

Es empfiehlt sich, die Zeit der baubehördlichen Genehmigungsphase zu nutzen, um sich über die handwerkliche, detailgerechte Ausführung Klarheit zu verschaffen. Für die nachfolgende Ausschreibung bedeutet dies Zeitgewinn. Bei der Wahl der Baustoffe und deren Detailanwendung sollte der Fokus aufeine möglichst hohe Lebensdauer und qualitativ nachhaltige Eigenschaften gerichtet werden. Die handwerkliche Umsetzung einer Bauaufgabe ist maßgebend für das Prädikat „Baukultur“. Leider ist zu beobachten, dass die hochbautechnischen Grundkenntnisse vielfach nicht mehr beherrscht werden, sodass grobe Planungsfehler passieren. Ich schreibe diesen Umstand auch einem Lehrdefizit an unseren Universitäten zu.


Projektausschreibung und Vergaben

Bis zu diesem Punkt eines Projektes wurde nur Papier strapaziert, das ja bekanntlich geduldig ist. Ab jetzt geht es an die Realität. Über Methoden, Praktiken und Güte von Ausschreibungssystemen möchte ich mich nicht auslassen, im Allgemeinen werden standardisierte Leistungsbeschreibungen verwendet. Viele ArchitektInnen wählen den Weg von Kooperationen mit KollegInnen, die auf die Erstellung von Leistungsverzeichnissen spezialisiert sind. Gleichzeitig erfolgt damit eine Kontrolle auf Vollständigkeit. Das Bundesvergabegesetz regelt jeden Schritt der öffentlichen Vergabe, beginnend bei der Ermittlung der BestbieterInnen bis zum Zuschlag, sodass eigentlich nur mehr TechnikerInnen mitjuristischer Ausbildung und Erfahrung den Durchblick haben. Preisverhandlungen sind untersagt, aus meiner privatwirtschaftlichen Erfahrung weiß ich, dass übliche Nachlässe durch dieses Vergabesystem nicht mehr erzielbar sind. Wenn keine Einsprüche zur vorgesehenen Vergabe erfolgen, darf der Zuschlag erteilt werden. Ab diesem Zeitpunkt wird das Steuern von Kosten und Terminen sehr schwierig, da jeder Eingriff in die Abläufe nur in Abstimmung mit dem Vergabegesetz erlaubtist. Besonders bizarr wird es bei Insolvenzfällen knapp vor Fertigstellungsterminen. In dieser Situation ist eine Neuausschreibung des Gewerkes erforderlich. Das Einhalten von Terminen und die Gesamtkosten sind dem Gesetz egal. Das Projektmanagementbeschränkt sich leider auf eine sehr eingeengte Rolle des Interpretierens des Bundesverwaltungsgesetzes – BVG. Diese sehr unbefriedigende Situation erklärt auch den Umstand, dass ein Trend zu ausgelagerten Gesellschaften, die mit einfacheren Vergabemodalitäten arbeiten, bemerkt wird.


Das Controlling

Die Aufgabe des Controllings besteht darin, den ProjektleiterInnen rechtzeitig Out-of-line-Situationen zu melden, es sollte aber auch befähigt sein, an der Lösung von Problemsituationen mitzuwirken. In der Praxis empfiehlt es sich, die Person des Controllers sehr sorgfältig auszuwählen, da ein „Brunnenvergifter“ nur polarisiert und nichts zum Gelingen eines Bauvorhabens beiträgt.


Fertigstellung und Übergabe

Dieser Prozess sollte sehr sorgfältig und auf die NutzerInnen abgestimmt erfolgen. Nehmen Sie sich jede Zeit der Welt, den künftigen BewohnerInnen ihres Werkes die Logistik des Hauses zu erklären, bereiten Sie Handbücher vor, die alle Segmente der haustechnischen Installationen erläutern. Organisieren Sie Hausführungen mit kundigen Guides und entlassen Sie die NutzerInnen langsam in ihren neuen Alltag. Es wäre ein großer Fehler, das Haus hinzustellen und zu gehen. Wenn Sie dann nach vielen Jahren noch immer zufriedenen Menschen begegnen, haben Sie vermutlich Baukultur geschaffen.

Fußnoten

  1. Erfahrungsberichte des österreichischen Netzwerkes Barrierefrei.
  2. Schweizer Studie der ETH-Zürich: Hindernisfrei bauen – so teuer wie Baureinigung, Prof. Meyer-
    Meyerling 2003.
  3. Mikrozensusdaten 2003, dem europäischen Jahr behinderter Menschen. Statistik Austria.
    Zwischenevaluierung „wien sicher!“. Institut Sicher Leben 2005.
  4. Bestandsaufnahme und Analyse von spezifischen Angeboten zur „Wohnberatung“. Beratungs- und
  5. Dienstleistungsangebote für SeniorInnen in Österreich zur Unterstützung des selbstständigen Wohnens
    im Alter. Endbericht Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen, September 2001.