Volkswirtschaftliche Bedeutung der österreichischen Bauwirtschaft

Rund 70% des gesamten österreichischen Anlagevermögens entfallen auf Bauten. Mit rund EUR 30 Mrd. jährlicher Bauinvestitionen (nominell) des öffentlichen und privaten Sektors erreicht der Bausektor einen Anteil an der Gesamtwirtschaft von 11,7%(2006). An der gesamten Wertschöpfung trägt die Bauwirtschaft mit rund EUR 17 Mrd. knapp 7% zum Bruttoinandsprodukt bei. Die gesamten Planungsbüroleistungen (1/3 staatlich Befugte, 1/3 technische Büros, 1/3 Sonstige) betragen in Österreich EUR 2,1 Mrd. (2005, lt. Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung – VGR) das sind rund 7,3% der gesamten Bauinvestitionen. 8,2% aller Erwerbstätigen sind direkt im Bauwesen beschäftigt. Unter Einbeziehung der Beschäftigten in Architektur- und Ingenieurbüros (ca. 10.000 Personen) erhöht sich der Beschäftigtenanteil auf knapp 9%. Drei Viertel des gesamten Bauvolumens entfällt auf den Hochbau (Wohnbau- und Nichtwohnbau) und ein Viertel auf den Tiefbau. Die Wohnbauinvestitionen betragen rund EUR 11,5 Mrd. (2005); der Neubauanteil im Wohnbau liegt bei 60%, der Sanierungs- und Adaptierungsanteil bei 40% (im europäischen Durchschnitt über 50%). Im Nichtwohnbau überwiegt der Neubauanteil (66%), auf Sanierungsleistungen entfallen 34%.

Bauwirtschaft: Export mit Zukunft
, ungeachtet der Bedeutung des Bauexportes (derzeit EUR 6 – 7 Mrd.) wird eine verstärkte internationale Ausrichtung für die gesamte Branche erforderlich sein, damit das weitestgehend im Inland ausgeschöpfte – jedoch zu verbessernde Potenzial – gesteigert wird. Dem Export von Dienstleistungen und somit auch von Planungsleistungen kommt damit eine Vorreiterrolle zu, da sie das Siebenfache an Warenleistungen nach sich ziehen. Die Stärken liegen im Know-how-Transfer und im baukulturellen Image der österreichischen Architektur sowie im Bereich der ökologischen- und energieeffizienten Bauinnovationen im Hochbau, im Tunnel- ,Wasser- und Kraftwerksbau und in der Fernerkundung. Insbesondere in der Solarenergie (Österreich zählt zu den drei Weltmarktführern), Biomasse, Geothermie (Erdwärme) sowie bei nachhaltigen Baustoffen zählen österreichische Unternehmen zu internationalen Spitzenreitern. Die Exportmöglichkeiten können aber derzeit nicht voll genutzt werden, was in den Unternehmensstrukturen begründet ist: 76% der österreichischen Planungsbüros sind Kleinunternehmen mit 1 bis 9 Personen. Hingegen liegt der Anteil der Großbetriebe mit mehr als 250 Beschäftigten (2003) bei 0,3%.
Um den Planungs-KMUs einen besseren Zugang zu internationalen Märkten zu ermöglichen, muss die beratende und monetäre Unterstützung forciert werden. Weiters sind zusätzliche Initiativen, Netzwerke und die Clusterbildung notwendig. In Frankreich ist beispielsweise der Bauexport ein Teil der Außenhandelspolitik. Auch in Österreich sollte der Bau- und Planungsexport einen außenpolitischen Schwerpunkt erlangen. Allianzen und Kooperationen oder Konsortien, die sich im Inland bewährt haben, sollten künftig verstärkt im Ausland anbieten.

Laut dem zweiten österreichischen Kreativwirtschaftsbericht (2006) zählen in Österreich 10% aller Unternehmen zur Kreativwirtschaft, die im Jahr 2004 4% der gesamten Erlöse und Erträge bzw. 5% der gesamten Bruttowertschöpfung erwirtschafteten. Architekturbüros werden in diesem Bericht zwar zu den fünf wichtigsten Kernbranchen gezählt, aber unter dem übergeordneten Bereich visuelle Kunst subsumiert und hinsichtlich Strukturgrößen, Umsatzzahlen etc. nicht näher erfasst. Die Studie zu den Creative Industries in Wien (2004) konstatierte für den Bereich Architektur eine steigende Umsatzentwicklung von 20% (1998 – 2001), allerdings steht einer wachsenden Konjunktur an zeitgenössisch engagierter Architektur paradoxerweise die Marginalisierung der Erträge gegenüber.
Für den Sektor Architektur fehlen noch weitgehend branchenspezifische Unterstützungsinstrumente. Die Aufnahme der Architektur in die Kreativwirtschaftsprogramme des Bundes (www.impulsprogramm.at) muss forciert werden. Durch einen öffentlichen Zuschuss bei der Teilnahme an Wettbewerben, Professionalisierungsförderung etc. können die kleinstrukturierten Planungsbüros verstärkt angesprochen werden (siehe EU-Anbahnungsfinanzierung des BMBWK).

Image und Tourismus

Der Tourismus nimmt mit einem Anteil von knapp 9% am BIP eine bedeutende Rolle in der österreichischen Volkswirtschaft ein. Die Tourismusförderungen für Bauinvestitionen durch die österreichische Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) beliefen sich im Jahr 2004 auf EUR 596 Mio. Sie werden zwar hauptsächlich zur Qualitätssteigerung der Angebote eingesetzt, aber ohne Beachtung der baukulturellen Gestaltungsqualität vergeben. Für die Förderbasis müssen derzeit die Planungskosten sogar herausgerechnet werden.

Die Förderungen der österreichischen Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) für Bauinvestitionen in der Tourismusindustrie sind an Qualitätskriterien für Baukultur zu koppeln; ein Vermittlungs- und Beratungsnetz für Gestaltung in der Tourismusbranche ist langfristig zu etablieren.

Gut geplante und sorgfältig ausgeführte Architektur beeinflusst definitiv das Geschäftsergebnis. Dies bestätigte eine Umfrage unter österreichischen Unternehmen (u.a. T-Mobile, Uniqa, Strabag, MPreis, Trevision, Loisium etc.).
Die Architekturvermittlung soll die Kommunikation von Architektur als deutlichem Imageträger und verwertbarem CI-Faktor forcieren; dazu zählen auch die damit verbundene Produktivitäts- und Effizienzsteigerung sowie die erhöhte Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit.

Neue Konzepte für bautechnische Vorschriften und steuerliche Verbesserungen

Im Jahr 2000 beschlossen die österreichischen Bundesländer, die bautechnischen Vorschriften zu vereinheitlichen. Das Ziel ist, auf rechtlicher Ebene klare Schutzziele für sechs wesentliche Anforderungen von Bauwerken (Mechanische Festigkeit und Standsicherheit; Brandschutz; Hygiene, Gesundheit und Umweltschutz; Nutzungssicherheit und Barrierefreiheit; Schallschutz; Energieeinsparung und Wärmeschutz) festzulegen. Die Vereinheitlichung der Bauvorschriften bewirkt lt. VIBÖ-Studie ein Einsparungspotenzial von 10 – 15% der Wohnbaukosten.
Die Harmonisierung der bautechnischen Vorschriften soll so rasch wie möglich in Kraft treten. Dazu ist nur noch die Befassung der Landtage in Niederösterreich und Salzburg erforderlich.

Der Handlungs- und Änderungsbedarf betrifft hauptsächlich Regelungen der Ertragssteuern und des Umsatzsteuergesetzes sowohl auf Seiten der PlanerInnen als auch auf Seiten der jeweiligen AuftraggeberInnen. Diese Vorschläge
schaffen einen Anreiz zur relativ krisensicheren Vermögensveranlagung in Immobilien, stellen gleichzeitig Förderungsmaßnahmen für die PlanerInnen dar und gleichen etwa im Bereich der Lohnabgaben einen eventuellen Steuerausfall aus.
Als direkte Verbesserungen können u.a. dienen:
  • pauschale Vorsorgemaßnahmen für etwaige Haftungsansprüche
  • begünstigte Besteuerung von nicht entnommenen Gewinnen
  • Gewinne aus Dienstleistungsexporten zum halben Grenzsteuersatz
  • gleichmäßige Verteilung von Einkünften auf 3 – 5 Jahre
Als indirekte Verbesserungsmaßnahmen können z.B. herangezogen werden:
  • Wiedereinführung des Investitionsfreibetrages oder Investitionsprämie für Planungs- und Architektenaufwendungen
  • Alternativ zu Investitionsprämien bei Planungsaufwendungen, Entfall der Aktivierungspflicht und sofortiger steuerlicher Aufwand beim Investor
  • Gewährleistungsrückstellung für Bauträger
  • beschleunigte Abschreibung für MRG-Gebäude und geförderte Gebäude auf 10 Jahre (MRG = Mietrechtsgesetz)
  • Zurückstellung des Überschusses von Einnahmen des Vermieters über die Ausgaben bis zu 10 Jahren