Drei Säulen der Nachhaltigkeit – Ökologie, Ökonomie und Soziales

Mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von etwa 80 Jahren (Ertragswertverfahren) hat der Gebäudebestand langfristige und vielschichtige Auswirkungen auf die volkswirtschaftliche, ökologische und speziell auf die energetische Bilanz Österreichs – und stellt somit einen der wesentlichsten Faktoren für eine nachhaltige Entwicklung dar. Eine zukunftstaugliche Sicherung der nationalen Energieversorgung verlangt einen hohen Qualitätsanspruch an die Energieeffizienz des Gebauten.

Der Energiebedarf von Gebäuden muss daher – auch im Sinne einer konsequenten Umsetzung nationaler und internationaler Richtlinien – unter Bedachtnahme auf die natürlichen Ressourcen des Standorts drastisch reduziert werden.


Der verbleibende Restenergiebedarf ist mit effizienter Haustechnik sowie mit Energieträgern aus einem dezentralen, regional optimierten Mix von land- und forstwirtschaftlichen Produkten und Nebenprodukten, Wind- und Solarenergie, Umweltwärme, Prozessabwärme, thermischer Verwertung, Wasserkraft und neuen Technologien zu decken.


Nicht im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung wäre eine rein wirtschaftliche Optimierung baulicher Maßnahmen, da ein Gebäude ohne baukulturellen Anspruch schneller an Wert verliert, als es seiner physischen Benutzbarkeit entspricht. Daher ist speziell der Planungsprozess zeitlich und monetär aufzuwerten, sodass eine umfassende Einbeziehung von FachplanerInnen und als Folge hochqualitative Ergebnisse möglich werden.


Von den drei Säulen der Nachhaltigkeit Ökologie, Ökonomie und Soziales – ist vor allem letztere in der öffentlichen Diskussion unterrepräsentiert, und dies, obwohl im Zentrum der Baukultur der Mensch stehen sollte: mit seinen physiologischen und sozialen Bedürfnissen sowie mit seinen kulturellen und ästhetischen Fähigkeiten als formgebende Größen nachhaltiger Architektur.

In diesem Sinne ist in Österreich eine politische Grundsatzäußerung zu sozialen Aspekten des Bauens zu treffen – beispielsweise durch die Definition eines sicherzustellenden qualitativ-räumlichen Existenzminimums.



Raumordnung

Grundvoraussetzung für eine nachhaltige Baukultur ist eine bessere und effizientere Raumordnung.

Dafür ist in Österreich das Engagement des Bundes zur Wahrnehmung einer übergeordneten Raumordnungsverantwortung bei gleichzeitiger Stärkung der regionalen Planung nötig, um die Siedlungspolitik der Länder und Gemeinden steuern und kontrollieren sowie die raumrelevante Sachpolitik einzelner Ministerien koordinieren zu können.


Zur Durchsetzung bundesweiter Raumordnungsziele könnten im Rahmen einer Reform des Finanzausgleichs raumwirksame Auflagen an die Länder und Gemeinden erteilt werden. Für eine bessere Umsetzung landespolitischer Ziele durch die Kommunalplanung bedarf es detaillierter und verbindlicher regionaler Entwicklungskonzepte. Gleichzeitig sollte die finanzpolitisch bedingte Konkurrenz zwischen den Gemeinden um EinwohnerInnen und Unternehmen zu Gunsten regionaler Kooperationsformen aufgelöst werden, die bestmögliche Standortentscheidungen erlauben.


Derzeit bewirken raumrelevante Förderungen und Steuern oft eine nachteilige Siedlungsentwicklung – und sind daher nach raumplanerischen Kriterien neu auszurichten.

Eine aus sozialpolitischer Sicht gebotene Verdopplung des Mitteleinsatzes für die Wohnbauförderung (etwa auf das Niveau Deutschlands, Schwedens oder Großbritanniens) muss mit deren nachhaltiger Neuorientierung einhergehen – und Sanierung, Nachverdichtung, Energie- und Materialressourcenschonung sowie qualitätvolle integrative Planungsprozesse forcieren.


Um die Zersiedelung und den wachsenden Flächenverbrauch einzudämmen, sind zudem eine aktive Bodenpolitik der Gemeinden sowie eine gerechtere Aufteilung der Infrastrukturkosten vonnöten.

Anzustreben ist eine drastische Senkung des Bodenbedarfs von derzeit 22,5 Hektar pro Tag entsprechend der österreichischen Nachhaltigkeitsstrategie.

Wichtigstes Steuerungsinstrument der Siedlungsentwicklung ist die Verkehrspolitik. Im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung müsste der Autoverkehr mit allen von ihm verursachten Kosten belastet, müssten Subventionen wie die Pendlerpauschale grundlegend reformiert und der öffentliche Verkehr flächendeckend ausgebaut werden.