Bildung und Ausbildung

Karriere mit Lehre – Ausbildung am Bau

Christian Schützinger
Kein anderer Wirtschaftszweig in Österreich hat ein durchlässigeres Aufstiegssystem als die Bauwirtschaft. „Karriere mit Lehre“ ist in den Bauberufen derart verwirklicht, dass nach dem Abschluss einer Lehre der Aufstieg des Facharbeiters bis zum Baumeister und sogar eine akademische, berufsspezifische Ausbildung möglich sind.
Die österreichische Bauwirtschaft hat ab dem Jahr 1982, mit der Errichtung der sozialpartnerschaftlich vereinbarten Lehrbauhöfe
1, neue Wege der Lehrlingsausbildung beschritten. Neben der zwischenbetrieblichen Lehrlingsausbildung hat sich die Aus- und Weiterbildung im Rahmen der beruflichen Weiterbildung in den Lehrbauhöfen Österreichs zu einem zentralen Anliegen und zu einer Hauptaufgabe entwickelt.
Um die Aufgaben der beruflichen Weiterbildung effizient und einheitlich durchzuführen, wurde 2002 die BAUAkademie Österreich gegründet, die alle österreichischen Lehrbauhöfe unter dieser Dachmarke vereinigt. In den BAUAkademien wird Ausbildung im Baubereich methodisch, sachlich, kompetent und qualitativ höchstwertig durchgeführt, um dem Anspruch der „Bildungswilligen“ gerecht zu werden.









Aufstiegsmöglichkeiten in den Bauberufen

1. Lehrberufe

Im Bauhauptgewerbe (Baumeistergewerbe) gibt es derzeit die Lehrberufe Maurer, Schalungsbauer, Bautechnischer Zeichner, Straßenerhaltungsfachmann. Die Ausbildung der Lehrberufe ist in den jeweiligen Berufsbildern geregelt, die Lehrzeit beträgt 3 Jahre. Doppellehren sind in Kombination auch mit verwandten Berufen möglich und dauern 4 Jahre.
Die Zahl der LehranfängerInnen im Lehrberuf Maurer hat sich seit den 1990er Jahren um ca. 1/4 verringert, langfristig kann daraus ein permanenter Facharbeiter- Innenmangel resultieren. Die Ursachen sind vielfältig und liegen neben der demographischen Entwicklung hauptsächlich in der schlechten Positionierung der handwerklich tätigen Menschen in unserer Gesellschaft.
Die Bauberufe besitzen eine geringe Attraktivität bei den Jugendlichen, da sie trotz der hohen Lehrlingsentschädigung (gemäß Kollektivvertrag Bau 2006, verdient ein Lehrling im 1. Lehrjahr EUR 705, 2. Lehrjahr EUR 1.056, 3. Lehrjahr EUR 1.408) einen geringen gesellschaftlichen Stellenwert haben und die psychischen und physischen Anforderungen hoch sind.
Um diesem Trend entgegenzuwirken, wurde 2004 von der Geschäftsstelle Bau
2 eine Informations- und Werbekampagne gestartet, bei der Betriebe und Schulen ausführlich über die Bauberufe informiert werden und der positive Aspekt der Lehre verstärkt vermittelt wird.
Zusätzlich erhalten die Ausbildungsbetriebe eine Ausbildungsprämie in Höhe von EUR 1.500 pro Jahr und Lehrling. Diese Maßnahme sowie die verstärkten Bemühungen der Bundesregierung tragen zur Verbesserung der Lehrlingszahlen ganz wesentlich bei.


2. System der „trialen“ Ausbildung

Die „duale Ausbildung“ dient vielen Staaten als Vorbild und ist in ihrer Effizienz unerreicht, das Wechselspiel von Theorie und Praxis ist die wesentliche Stärke dieses partnerschaftlichen Systems. Einerseits bilden die Betriebe ihren Nachwuchs aus und sichern sich dadurch quantitativ und qualitativ Fachkräfte, die sie zur Bewältigung ihrer Aufgaben benötigen, andererseits vermittelt die Berufsschule die notwendigen fachtheoretischen Kenntnisse und Fertigkeiten und erweitert die Allgemeinbildung der zukünftigen FacharbeiterInnen.

Ergänzend vermitteln die Lehrbauhöfe in der zwischenbetrieblichen Ausbildung jene Ausbildungsinhalte, die die Betriebe, bedingt durch die permanent wechselnde Arbeitswelt, den Einsatz neuer Technologien und Materialien nicht zur Gänze abdecken können, und sichern dadurch die ausgezeichnete Lehrlingsausbildung gemäß dem Berufsausbildungsgesetzes – BAG ab. Das heißt, dieses strategische Dreieck, das in der Lehrlingsausbildung in Österreich einzigartig ist, nivelliert etwaige Defizite selbstständig aus und sichert den Lernertrag durch Wiederholungen.


Die Entsendung der Lehrlinge zur zwischenbetrieblichen Ausbildung,mit den notwendigen Durchführungsdetails, ist im Kollektivvertrag Bau geregelt. Die Dauer der Ausbildung in den Lehrbauhöfen ist mit 3 Wochen je Lehrjahr zeitlich begrenzt und wird über eine Ausbildungsumlage finanziert, die mit 0,42 FA-Löhnen 2b (gemäß Kollektivvertrag Bau) je Person und Woche bemessen ist. Die BAUAkademien Österreichs koordinieren und vereinheitlichen die zwischenbetriebliche Ausbildung. Dadurch ist der Ausbildungsstandard der Lehrlingsausbildung in ganz Österreich auf hohem Niveau gesichert.


3. Polierausbildung

Poliere (Definition nach Kollektivvertrag Bau) sind Angestellte, die auf Baustellen die Arbeitsposition und Funktion an der Nahtstelle zwischen Bauplanung und Bauausführung ausfüllen. Aufgrund der ihnen zur Verfügung gestellten Pläne, oder nach Angaben, führen sie Aufträge dadurch aus, indem sie die Arbeiten der ihnen unterstellten Arbeiter einteilen, diese bei ihrer Tätigkeit anleiten und überwachen. Sie führen die Schichtbücher und sonstige Aufzeichnungen, aus denen die tägliche Arbeitsleistung und Verwendung jedes einzelnen durch sie beaufsichtigten Arbeiters zu entnehmen sind. Sie tragen die Verantwortung für die Einhaltung der Unfallverhütungsvorschriften und Ordnung an der Arbeitsstätte sowie für die weisungsgemäße und fachgerechte Ausführung der ihnen anvertrauten Bauaufgaben. Durch den permanenten Wandel in der Bauwirtschaft hat sich auch das Berufsbild des Poliers wesentlich geändert. Der moderne Polier muss neben seiner einschlägigen fachlichen Kompetenz noch hohe Kompetenz und großes Wissen in Mitarbeiterführung, Kommunikation, Arbeitssicherheit und Erste Hilfe sowie in EDV besitzen.


Die Ausbildung zum Polier ist in Österreich über eine schulische Ausbildung entweder in Bauhandwerker- und Werkmeisterschulen oder in Polierkursen, die in den BAUAkademien durchgeführt werden, möglich. Alle Ausbildungskurse sind berufsbegleitend konzipiert und finden hauptsächlich in den Wintermonaten statt, um die saisonal bedingte Winterarbeitslosigkeit gezielt zur Fortbildung zu nützen. Die Schwerpunkte der Ausbildung bei den Polierkursen der BAUAkademien liegen in den allgemeinen Fächern, wie Mathematik, Darstellende Geometrie sowie in den Fachgegenständen Hochbau, Bauzeichnen, Tiefbau, Vermessungskunde, Statik und Stahlbetonbau und Baubetriebslehre.


Zusatzausbildungen wie Ausbilderprüfung, Kranführerschein, Sicherheitsvertrauensperson, erweiterte Kenntnisse in EDV (CAD, Ausschreibungs- und Kalkulationsprogramme) wurden in das Curriculum aufgenommen, um den MitarbeiterInnen im mittleren Management eine umfassende Ausbildung mit aktuellen Inhalten anzubieten, die sie für ihre verantwortungsvolle Aufgabe bestens vorbereitet und ihnen ausgezeichnete Chancen auf dem Arbeitsmarkt eröffnet. Die Ausbildung schließt nach ca. 1.560 Ausbildungsstunden mit einer Projektarbeit und einer kommissionellen, mündlichen Prüfung ab.


Werkmeisterschulen sind Sonderformen berufsbildender mittlerer Schulen, sie werden für Berufstätige geführt und setzen einen entsprechenden einschlägigen Berufsabschluss voraus. Die Ausbildungsdauer beträgt zwei Jahre, der Unterricht findet abends, drei bis viermal je Schulwoche, statt.


Bauhandwerkerschulen werden in HTLs geführt und dauern 3 Semester mit je 10 – 12 Wochen und schließen mit einer Abschlussprüfung ab. Voraussetzung für den Besuch von Bauhandwerkerschulen ist eine abgeschlossene, einschlägige Lehre mit anschließender mindestens zweijähriger Praxiszeit.



4. Bauleiterausbildung

BauleiterIn ist eine der wichtigsten Führungspositionen in der Bauwirtschaft. Ständig wechselnde Bauaufgaben unter immer neuen Aspekten effizient, kostengünstig und mit hoher Führungskompetenz zu meistern, ist die Herausforderung, der sich BauleiterInnen täglich zu stellen haben. Gemäß Kollektivvertrag Bau sind BauleiterInnen für die Leitung von selbstständigen Baustellen in technischer, kaufmännischer und personeller Hinsicht verantwortlich. PraktikerInnen, die sich in diesem Bereich weiterbilden, werden für die Unternehmen immer interessanter, weil sie dadurch im Wettbewerb effizienter und schneller wirtschaften als andere und somit die Konkurrenzfähigkeit des Unternehmens verbessern helfen. Die BauleiterInnen-Ausbildung in den BAUAkademien Österreichs greift diese Herausforderungen aktiv auf und vermittelt praxis- und projektbezogenes Know-how, unter Mitwirkung führender ExpertInnen und Spezialist- Innen. Die Lehrgänge richten sich vorrangig an die MitarbeiterInnen des Baugewerbes und der Bauindustrie sowie von Architektur- und Ingenieurbüros, an Bauträger und auch an das Baunebengewerbe, die Bauleitungen von Bauprojekten durchführen oder durchführen wollen.


Zugangsvoraussetzungen für die Teilnahme an den Lehrgängen ist der Abschluss einer Höheren Technischen Lehranstalt, der positive Abschluss der Polierausbildung mit mindestens drei Jahren facheinschlägiger Berufserfahrung oder einer vergleichbaren Qualifikation mit entsprechender Berufserfahrung. Die Ausbildung ist modular aufgebaut und vermittelt neben den 9 fachlichen Themenkreisen – wie Ausschreibung, Angebot und Auftragsvergabe, Kalkulation, Grundzüge des Projektmanagements, örtliche Bauaufsicht, Berichtswesen, Arbeitssicherheit, Recht für Bauleiter, Aufmaß und Abrechnung – auch Kommunikation und Mitarbeiterführung. Jedes Fachmodul dauert 2 bis 3 Tage, die Lehrgänge werden mit einer Projektarbeit und einer kommissionellen Prüfung abgeschlossen.


Weiterbildung in den BAUAkademien

Die Aus- und Weiterbildung im Rahmen der beruflichen Weiterbildung, hat sich in den acht BAUAkademien Österreichs (Wien, Niederösterreich, Steiermark, Oberösterreich, Kärnten, Salzburg, Tirol, Vorarlberg) zu einem zentralen Anliegen und zu einer Hauptaufgabe entwickelt und wird jährlich von ca. 15.000 KursteilnehmerInnen frequentiert. Die ständigen Neuerungen in der Arbeitswelt haben längst zu einer Verpflichtung und Einsicht der Betroffenen geführt, Lern- und Verbesserungsprozesse permanent durchzuführen.

Die Programme werden in enger Zusammenarbeit mit der Bauwirtschaft, dem Arbeitsmarktservice, dem Arbeitsinspektorat, dem Bundesdenkmalamt, der Allgemeinen Unfall-Versicherungsanstalt – AUVA sowie mit Sozialpartnern erstellt. Es wird auch versucht, jede Anregung von InteressentInnen und KundInnen aufzunehmen und in Seminaren, Vorträgen und Veranstaltungen aufzubereiten. Angeboten werden handwerkliche Schulungen, Vorbereitung auf Lehrabschlussprüfungen in den Berufen Maurer, Schalungsbauer, Tiefbauer und Bautechnischer Zeichner, bautechnische, baurechtliche und baukaufmännische Fortbildungskurse ebenso wie Seminare zum Thema Energieverbrauch, Ökologie und Qualitätssicherung.


Ausbildung und Prüfung im Bereich der Staplerfahrerkurse, dem großen Fachgebiet der Kranführerkurse und der Sprengbefugtenkurse sowie Kurse für Spezialsprengungen sind durch Verordnungen genau reglementiert. Die Ausbildungszeiten sind vorgegeben, der Besuch eines Ausbildungskurses ist verpflichtend und schließt mit einer Prüfung ab.

1996 wurde die „Ausbildung zum Erdbauer“ in das Programm aufgenommen und unterstützt die Anstrengungen der Erdbauer, die Zulassung zur Ausübung des Gewerbes von einer Befähigungsprüfung abhängig zu machen.


Seit 2006 führen die BAUAkademien eine neue Ausbildung „Maurergewerbe“ durch, die die Anstrengungen der Geschäftsstelle Bau unterstützt, ein Teilgewerbe „Maurergewerbe“ in Österreich einzuführen. Auslöser für dieses Teilgewerbe ist die „Baumeister-Verordnung“ vom 28. Jänner 2003, die den Zugang zum Baumeistergewerbe hinsichtlich der ausführenden Tätigkeit, mit einem Nachweis der fachlichen Qualifikation für das Baumeistergewerbe regelt. Die Überprüfung der fachlichen Qualifikation ist durch die Verwendung von Begriffen wie „einschlägige Tätigkeit als Selbstständiger/Unselbstständiger, Betriebsleiter“, oder „leitende Stellung“, oft schwierig, bzw. nicht möglich. Die positiv abgeschlossene Ausbildung „Maurergewerbe“ soll die Überprüfung hinsichtlich der fachlichen Qualifikation für das Baumeistergewerbe ersetzen und erleichtert dadurch den Zugang zu einer selbstständigen Tätigkeit.


HTL-Ausbildungen, Fachschulen

Höhere Technische Lehranstalten

Die praxisnahe Schwerpunktsetzung an den Höheren Technischen Lehranstalten, ein im internationalen Vergleich hohes Ausbildungsniveau und hervorragende Kooperationen mit österreichischen Unternehmen sind der Grund, warum die AbsolventInnen dieser berufsbildenden höheren Schulen in der Wirtschaft besonders gefragt sind. In der österreichischen Bauwirtschaft stehen AbsolventInnen des Ausbildungsbereiches Bau (Bautechnik-Hochbau, Bautechnik-Tiefbau, Bautechnik-Umwelttechnik, Bautechnik-Restaurierung und Ortsbildpflege, Bautechnik- Bauwirtschaft) an vorderster Stelle, sie stellen mit ca. 40% auch den größten Anteil der österreichischen Betriebsinhaber bzw. Geschäftsführer von Baumeisterbetrieben.


Derzeit werden in 36 österreichischen Höheren Lehranstalten einschlägige Ausbildungen angeboten, die Dauer der Ausbildung beträgt 5 Jahre, sie schließt mit einer Reife- bzw. Diplomprüfung ab und berechtigt zum Besuch von Fachhochschulen, Universitäten und Akademien. Der 1. und 2. Jahrgang ist an allen Höheren Lehranstalten für Bautechnik einheitlich; sofern verschiedene Ausbildungsschwerpunkte angeboten werden, ist bis zum Ende des 2. Jahrgangs der Übertritt in einen anderen Ausbildungsschwerpunkt der Bautechnik möglich. Die Ausbildung ersetzt die Lehrabschlussprüfung für die Berufe Bautechnischer Zeichner, Maurer, Zimmerer und unter Umständen auch den/die Industriekaufmann/frau sowie Teile der schriftlichen und mündlichen Baumeisterprüfung. Nach 3 Jahren Praxis kann um die Standesbezeichnung „Ingenieur“ angesucht werden.


Fachschulen

Im Gegensatz zu den Höheren Technischen Lehranstalten vermitteln Fachschulen für Bautechnik, als berufsbildende mittlere Schulen, fundierte theoretische Kenntnisse im Bereich der Bautechnik, der Schwerpunkt liegt aber auf der baupraktischen Ausbildung. Diese Praxisausbildung findet am schuleigenen Bauhof und auf Außenbaustellen statt und erstreckt sich über ein Drittel der Unterrichtszeit. Die Fachschulen bilden Maurer, Zimmerer, Schalungsbauer aus und vermitteln Kenntnisse und Fertigkeiten in allen mit Bauarbeiten zusammenhängenden handwerklichen Arbeiten, wie z.B. Dachdecker- und Spenglerarbeiten, Estrich- und Fliesenlegerarbeiten, Abdichten von Bauten etc.


Während der 3 1/2-jährigen Schulzeit ist ein Übertritt in eine höhere Abteilung gleicher Fachrichtung, nach Ablegung entsprechender „Übertrittsprüfungen“, die im Schulunterrichtsgesetz geregelt sind, möglich. Das Betriebspraktikum im 4. Jahrgang wird direkt in einem Unternehmen der Bauwirtschaft abgelegt, es wird von der Schule begleitet und erleichtert den Übergang in das Berufsleben.


Die Fachschule für Bautechnik schließt mit einer Abschlussprüfung ab, das Abschlussprüfungszeugnis ersetzt die Lehrabschlussprüfung bestimmter artverwandter Berufe und der positive Abschluss der Fachschule berechtigt zur Ausübung einschlägiger Gewerbe sowie des Handelsgewerbes mit den in den jeweiligen Verordnungen enthaltenen Begünstigungen.


Derzeit wird Bautechnik in folgenden Schulen angeboten:

Fachschule für Bautechnik mit Betriebspraktikum. HTL 1 Bau und Design, Linz.

Fachschule für Bautechnik mit Betriebspraktikum. HTL Graz Ortweinschule, Graz.

Fachschule für Bautechnik mit Betriebspraktikum. HTL und HS, Saalfelden.

Fachschule für Bautechnik mit Technikerpraktikum. HTBLu VA und FS, Villach.

Fachschule für Bautechnik, Ausbildungszweig Bauinformatik mit Betriebspraktikum HTBLuVA, Mödling.


Postgraduale Studiengänge

Die Vielzahl ständig wechselnder Bauprojekte unter immer neuen Aspekten effizient, kostengünstig und mit hoher Führungskompetenz zu meistern, ist die Herausforderung für Führungskräfte in der Bauwirtschaft. Das Bündeln eigener und externer Kräfte, das Zeit- und Kostenmanagement sowie das rasche interdisziplinäre Entwickeln und Umsetzen von Problemlösungen tritt allmählich vor die reine Bautätigkeit. In der Bauwirtschaft gehört Projektmanagement mittlerweile zu den wichtigsten Schlüsselqualifikationen. PraktikerInnen, die sich mit dieser Zusatzqualifikation ausstatten, werden für die Unternehmen immer interessanter, weil sie wettbewerbsfähiger und schneller wirtschaften als andere und somit die Konkurrenzfähigkeit des Unternehmens verbessern helfen. Projektmanagement als „Unternehmen auf Zeit“ erfordert vermehrt strategisches Denken und Handeln – ohne diese Aspekte wird eine optimierte Wertschöpfung in der Bauwirtschaft immer unwahrscheinlicher.


Die BAUAkademie Österreich bietet diese berufsbegleitende praxisorientierte Weiterbildung für PraktikerInnen als postgradualen Lehrgang universitären Charakters mit Master-Abschluss mit folgender Zielsetzung an:

  • fundierte Ausbildung für eine erfolgreiche Abwicklung komplexer Bauprojekte
  • Fähigkeiten zur Optimierung der Prozesse und Wirtschaftlichkeit
  • Verständnis für die Zusammenhänge
  • Abschätzen der Konsequenzen von Entscheidungen
  • Verbesserung des Verhaltens gegenüber Projektbeteiligten (BauherrIn – Planende – ausführende Firmen)
  • strategisches Denken und Planen auf Projekt- und Unternehmensebene


Der Lehrgang PM-Bau richtet sich vorrangig an Selbstständige und an MitarbeiterInnen des Baugewerbes, der Bauindustrie, des Bauträger- und Baunebengewerbes und von Architektur- und Ingenieurbüros, die an der Entwicklung, Planung und Ausführung von Bauprojekten maßgeblich beteiligt sind.


Zugangsvoraussetzungen für die Teilnahme am Lehrgang PM-Bau ist der Abschluss eines facheinschlägigen Studiums an der Universität oder Fachhochschule mit qualifizierter Berufserfahrung, die erfolgreiche Absolvierung der Baumeisterprüfung mit qualifizierter Berufserfahrung, der Abschluss einer höheren technischen Lehranstalt mit mindestens drei Jahren qualifizierter Berufserfahrung mit Führungsverantwortung oder einer vergleichbaren Qualifikation mit entsprechender Berufserfahrung mit Führungsverantwortung.


Der Lehrgang wird berufsbegleitend angeboten und ist modular aufgebaut.

Es können zwei Abschlüsse erreicht werden:

  • Abschluss nach zwei Semestern des Lehrganges universitären Charakters mit der Bezeichnung „Akademischer Projektmanager – Bau“
  • Abschluss nach vier Semestern des Lehrganges universitären Charakters mit der Verleihung des akademischen Titels Master of Science „MSc PM Bau“


Postgraduale Masterstudiengänge für Building Science und Real Estate werden auch an der Donau-Universität Krems angeboten.



Baumeisterausbildung

Das Baumeistergewerbe ist gemäß Gewerbeordnung BGBl I 2002/111 ein reglementiertes Gewerbe. Der Baumeister ist berechtigt, Hochbauten, Tiefbauten und andere verwandte Bauten zu planen, zu berechnen und zu leiten. Weiters darf er oben angeführte Bauten ausführen und abbrechen, aber auch Arbeiten anderer Gewerbe im Rahmen seiner Bauführung übernehmen, planen, berechnen und leiten.

Er ist berechtigt, Arbeiten im Rahmen seiner Bauführung selbst auszuführen, soweit es sich um Tätigkeiten der Betonwarenerzeuger, Kunststeinerzeuger, Terrazzomacher, Schwarzdecker, Estrichhersteller, Steinholzleger, Gärtner, Stukkateure und Trockenausbauer, Wärme-, Kälte-, Schall- und Branddämmer und der Abdichtung gegen Feuchtigkeit und Druckwasser handelt. Weiters ist er zur Durchführung von Tiefbohrungen aller Art berechtigt. Er darf Gerüste aufstellen, für die statische Kenntnisse erforderlich sind. Er ist zur Projektentwicklung, -leitung, und -steuerung, zum Projektmanagement und zur Übernahme der Bauführung berechtigt und darf im Rahmen seiner Gewerbeberechtigung seine Auftraggeber vor Behörden und Körperschaften öffentlichen Rechts vertreten.


Die Zugangsvoraussetzungen für das unbeschränkte Baumeistergewerbe sind eine facheinschlägige Ausbildung mit Praxiszeiten sowie die erfolgreich abgelegte Befähigungsprüfung. Im Gegensatz zu den meisten anderen Gewerben, bei denen im Falle industrieller Ausübung kein gewerberechtlicher Geschäftsführer mit Meisterprüfung zwingend vorgeschrieben ist, benötigen auch Bauindustriefirmen einen Baumeister als gewerberechtlichen Geschäftsführer. Nur Gewerbetreibende, deren Gewerbeberechtigung das Recht zur umfassenden Planung beinhalten, dürfen die Bezeichnung „Baumeister“ verwenden. Ausführende Teiltätigkeiten des Baumeistergewerbes können auch über eine so genannte „individuelle Befähigung“ (früher: Nachsicht) ausgeübt werden. Als Befähigungsnachweis sind neben einer facheinschlägigen Vorbildung auch ausreichende Praxiszeiten vorzuweisen.


Die Befähigungsprüfung besteht aus drei Modulen, die je nach der jeweiligen Vorqualifikation abgelegt werden müssen und getrennt beurteilt werden.


Das Modul 1 umfasst die Prüfungsgegenstände Bautechnische Grundlagen (schriftlich), Bautechnologie 1 (schriftlich) und Bautechnologie 2 (mündlich), die schriftlichen Prüfungen dürfen je Gegenstand maximal 20 Stunden dauern. Das Modul 2 gliedert sich in die Prüfungsgegenstände Projektplanung und Projektumsetzung, beide Gegenstände sind schriftlich und dauern max. 40 Stunden je Gegenstand. Im Modul 3 werden drei Prüfungsgegenstände – Rechtskunde für das Baumeistergewerbe, Baupraxis und Baumanagement sowie Betriebsmanagement – mündlich geprüft.


Der Run auf die Befähigungsprüfung Baumeister ist in Österreich ungebrochen und weist auf die große Attraktivität des Baumeisterberufes hin. Der Hauptgrund zum Antreten zur Baumeisterprüfung ist immer weniger die ausführende Tätigkeit, vielmehr sind selbstständige Tätigkeiten im Bereich der Planung und Bauleitung sowie die Übernahme von Aufträgen aus dem Projektmanagement die großen Herausforderungen der jungen BaumeisterInnen.

Die BAUAkademien Österreichs bieten seit Jahren erfolgreich die Vorbereitungskurse auf die Baumeisterprüfung an und bereiten die TeilnehmerInnen erfolgreich, kompetent und gezielt auf diese schwierige Prüfung vor.


Alle BaumeisterInnen mit architekturrichtlinienkonformer Vorbildung (Hochschule, FH, HTL-AbsolventInnen), die bis 2008 die Baumeisterprüfung ablegen, werden in der EU als ArchitektInnen anerkannt. Folgende aktuelle Job-Description wurde bei der EU notifiziert:


  • die Erstellung von Einreichplänen, Berechnung und Leitung von Hochbauten, Tiefbauten und anderer verwandter Bauten aller Arten und Größenordnungen, unabhängig von der Ausführung
  • die Vertretung des Auftraggebers vor Behörden oder Körperschaften öffentlichen Rechts
  • die Übernahme von Gesamtplanungsaufträgen
  • die Betätigung als Generalplaner
  • die Übernahme der Bauablaufplanung, Bauabwicklung sowie der Baukoordination
  • die Ausführung von Hochbauten, Tiefbauten und anderer verwandter Bauten aller Arten und Größenordnungen • die Durchführung von Vermessungstätigkeiten
  • die Durchführung von Wirtschaftlichkeitsberechnungen
  • die Erstellung von Leistungsverzeichnissen und zwar sowohl von Baumeisterarbeiten als auch unter Berücksichtigung von Arbeiten anderer Gewerbetreibender
  • die Vornahme der begleitenden Baukontrolle
  • die Beaufsichtigung und laufende Überprüfung der Arbeiten hinsichtlich der Übereinstimmung mit Bauordnungen, sowie Einreichung von Bewilligungsunterlagen
  • die Durchführung des Projektmanagements
  • der Aufbau von Gerüsten
  • der Abbruch von Hochbauten, Tiefbauten und anderer verwandter Bauten aller Arten und Größenordnungen
  • die Vornahme von Tiefbohrungen
  • die Durchführung sämtlicher Erdbewegungsarbeiten