Imageträger Baukultur

Ute Woltron

Vorgangsweise

Für die hier vorliegende Analyse wurden elf VertreterInnen heimischer Unternehmen im Detail nach Qualität, Kosten sowie Mehrwert ihrer Unternehmensarchitektur befragt. Die konkreten Antworten auf den Fragenkatalog sind im Anschluss zu entnehmen. Die ausgewählten Unternehmen stehen stellvertretend für Handel,Werbung, Agrarwirtschaft (Winzer), produzierende Industrie, Versicherungswesen, Bau- und Immobilienwirtschaft und stellen somit einen repräsentativen Querschnitt der österreichischen Wirtschaft dar.

Fragestellung

Befragt wurden Unternehmen, die in jüngerer Vergangenheit mit ArchitektInnen ein engagiertes Projekt für das eigene Unternehmen realisiert haben. Gefragt wurde u.a. nach:
  • Zufriedenheit mit dem Resultat
  • Zielsetzungen bzw. Erreichen der gesteckten Ziele
  • Bedeutung von Architektur als Imageträger (CI, Marketing)
  • Bedeutung der Funktionalität (betriebliche Logistik)
  • Direkte betriebswirtschaftliche Auswirkungen durch die Architektur
  • Baukostenentwicklung durch das Engagement von ArchitektInnen
  • Vergabeart
  • Beweggrund, ArchitektInnen zu engagieren bzw. persönlicher Zugang der BauherrInnen zu Architektur

Analyse

Die Frage, ob Architektur auch in wirtschaftlicher Hinsicht für Unternehmen eine positive Rolle spielt, lässt sich mit einem klaren „Ja“ beantworten. Alle Befragten gaben übereinstimmend an, dass gut vorbereitete, präzise geplante und sorgfältig ausgeführte Architektur einen deutlich positiven Einfluss auf ihr Unternehmen ausgeübt hätte.
Auch die Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit ArchitektInnen wurden durchwegs als positiv beurteilt. Der beste Beweis dafür ist, dass alle Befragten ein nächstes Projekt in jedem Fall wieder mit ArchitektInnen abwickeln werden. Gerhard Nidetzky etwa, Loisium und Loisium Hotel, meint auf die Frage, ob das von den ArchitektInnen erbrachte Resultat seinen zuvor gesteckten Erwartungen entspreche:„Ich bin mit dem Resultat mehr als zufrieden.“


Architektur dient laut Angaben der Befragten sowohl als Imageträger als auch – je nach Geschäftsfeld – zur Optimierung interner betrieblicher Abläufe. Sie hilft zudem auch, ein gutes internes Arbeitsklima zu schaffen und kann also als Motivationsinstrument für MitarbeiterInnen betrachtet werden.

Für Hansjörg Mölk, MPreis, beispielsweise sind sowohl die Außenwirkung von Architektur hinsichtlich der CI als auch die interne Mitarbeitermotivation ausschlaggebende Argumente für hochklassige Gebäude:„An erster Stelle steht die Architektur als Ausdruck der Wertschätzung unseren MitarbeiterInnen und KundInnen gegenüber.“ Und:„Die Architektur wurde für unser rein regionales Unternehmen ein wichtiger Sympathieträger und Teil unseres Unternehmenserfolges.“


Architektur als Imageträger und CI-Faktor

Nicht nur jene Unternehmen wie etwa Uniqa und T-Mobile, die mit bekannten Architekten großformatige und vielpublizierte Projekte gebaut haben, bewerten die Architektur als wichtigen Imageträger.

Edi Keck, Werbeagentur Haslinger Keck, meint beispielsweise:„Architektur prägt das Leben. Je besser die Architektur, desto positiver das Lebensgefühl. Schlechte Architektur macht krank!“

Für Hans Peter Haselsteiner, Strabag, ist die Architektur „der wirksamste Werbeträger“ des Unternehmens. Eine These, die auch Ernst Morgenbesser, Uniqa, unter Beweis gestellt sieht. Architektur als Imageträger ist für ihn „sehr wichtig“, denn „Hand in Hand mit der Schaffung der Marke Uniqa folgte mit dem Uniqa Tower die gebaute CI, die kreative Umsetzung der Markenidentität“.

Gerhard Nidetzky, Loisium, bringt Architektur als Imageträger und CI-Faktor so auf den Punkt:„Architektur ist ein Muss.“

Betriebswirtschaftliche Auswirkungen von Architektur

Der Mehrwert guter Architektur lässt sich allerdings differenziert ablesen und mitunter durchaus auch am Betriebsergebnis messen. Alle Befragten wiesen nicht nur auf deutlich verbesserte interne Kommunikationsstrukturen hin, zehn der elf Unternehmen gaben auch an, eine effektive Produktivitätssteigerung durch optimierte Architektur erzielt zu haben.

Erwin Sabathi veranschaulicht den kommerziellen Erfolg seines Weingutes in der Südsteiermark: „Wir konnten durch unseren neuen Weinkeller eine deutliche Steigerung von etwa 300 bis 400 Prozent bei Ab-Hof-Verkauf verzeichnen.“

Heinz Wikturna, Trevision, sagt: „Die Produktivität konnte durch kurze Wege etc. um knapp zehn Prozent gesteigert werden.“

Ernst Morgenbesser, Uniqa, weist auf „direkte betriebswirtschaftliche Auswirkungen durch konsequente Open-Space-Lösung mit einerseits massiven Büroflächeneinsparungen, andererseits sensationelle Verbesserung der internen Kommunikation“ hin und betont nochmals den Werbeeffekt der neuen Uniqa- Zentrale als internationales „Zeichen für einen starken mitteleuropäischen Konzern“.

Susanne Herrnberger von T-Mobile streicht ebenfalls die Optimierung der alltäglichen Arbeitssituation hervor: „Alle MitarbeiterInnen unter einem Dach zu haben, besser, persönlicher und schneller miteinander kommunizieren zu können, ist sicherlich eine Effizienzsteigerung.“

Für Hans Peter Haselsteiner, Strabag, müssen gute Gebäude selbstverständlich „Effizienzsteigerung und auch Umwegrentabilität“ mit sich bringen.


Baukostenentwicklung

Laut Angaben konnten die veranschlagten Baukosten durch das Engagement von ArchitektInnen in den meisten Fällen eingehalten, zum Teil aber auch unterschritten werden.

Heinz Wikturna, Trevision: „Wir haben teils massiv Kosten gespart. Die tatsächlichen Gesamtkosten inklusive der ArchitektInnenhonorare waren unter den ersten Angeboten ohne alle Honorare.“

Ernst Morgenbesser, Uniqa, meint, das ArchitektInnenengagement hätte zwar den Bau einerseits durch diverse zuvor nicht angedachte Baumaßnahmen wie etwa eine doppelschalige Glasfassade verteuert, andererseits seien durch die „sehr wirtschaftliche Bürowelt“ Einsparungen erfolgt.


Für Hans Peter Haselsteiner steht „Kostenersparnis immer im Vordergrund und stets im Bewusstsein von BauherrInnen und ArchitektInnen“.

Im Falle des Produktionsgebäudes für die WinzerInnen Lackner-Tinnacher wurde zwar das Budget eingehalten, Wilma Tinnacher meint jedoch weitblickender: „Wahrscheinlich gäbe es viel mehr Architekturbauten in der Region, wenn präzise Kostenplanung und -einhaltung für alle ArchitektInnen schon selbstverständlich wären.“


Beweggründe für das Engagement von ArchitektInnen

Alle Befragten gaben an, eine persönliche Affinität zur Architektur zu haben und auch aus diesem Grund ArchitektInnen zu engagieren. Die meisten erwarteten sich allerdings auch konkreten positiv-wirtschaftlichen Input für ihr Unternehmen. Dieser wurde laut Angaben in jedem Fall erreicht.

Heinz Wikturna, Trevision, erwartete von den ArchitektInnen dass sie „Betriebsabläufe in die Architektur einplanen, um die Produktivität auch dadurch zu steigern“ und dazu „unsere USP schon im äußeren Erscheinungsbild durch Verwendung von Großbildern zu vermitteln.“

Für Wilma Tinnacher ist das Bauen mit ArchitektInnen, also „Planung und Einbezug von Fachwissen wichtig, weil man als BauherrIn Verantwortung für das Gebäude hat, das man in die Welt setzt: Welche Räume werden gebraucht, welche Ansicht mutet man der Umwelt zu, welche Materialien der Nachwelt?“

Ernst Morgenbesser, Uniqa, erwartete auch „wirtschaftlichen Input z.B. durch innovative Bürokonzeption (Produktivitätserhöhung) und zeitgemäße Bauökologie (Erdwärmenutzung zur Energieeinsparung)“.

Fazit

Der Mehrwert, den gute Unternehmensarchitektur aufweist, ist nicht nur in atmosphärischen Befindlichkeiten, sondern nachweislich auch in Zahlen, Daten, Fakten zu messen. Gebäude sind also als unternehmerische Betriebsmittel zu werten, die Klein- genauso wie Großbetriebe in ihrer unternehmerischen Tätigkeit unterstützen können.

Die hier besprochenen Projekte stammen von PlanerInnen unterschiedlichsten Alters und Bekanntheitsgrades. Festzuhalten ist allerdings folgender Umstand: Die meisten für diese Studie befragten BauherrInnen bzw. BauherrInnenvertreter brachten bereits vorab ein gewisses architektonisches Grundinteresse und -verständnis mit, das die Kommunikation mit den ArchitektInnen erheblich erleichterte.

Der Schlüssel zum Erfolg ist die Symbiose des Know-hows von AuftraggeberInnen einerseits und ArchitektInnen andererseits: Präzise Planungsvorgaben, ständige Kommunikation, Kostenkontrolle und der Wille, gemeinsam ein hervorragendes Produkt für ein Unternehmen zu formen, sind die Grundvoraussetzungen für Baukultur als Imageträger.