Volkswirtschaftliche Bedeutung der baukulturellen Qualifizierung - Zahlen/Daten/Fakten

Margarete Czerny und Michael Weingärtler
1. Einleitung
Die Bauwirtschaft nimmt eine zentrale Stellung in der Gesamtwirtschaft ein. Bauinvestitionen sind nicht nur bedeutend für Wachstum und Beschäftigung, sie sind auch ein entscheidender Faktor für den Wirtschaftsstandort. Abgesehen vom hohen Beitrag der Bauwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt beeinflusst die Bauwirtschaft auch nachhaltig das Gesellschaftsleben. Im Gegensatz zu anderen produzierenden Wirtschaftsbereichen wirkt sich das Bauwesen langfristig auf unsere Umwelt und unsere sozialen Lebensbedingungen aus. Dies hängt vor allem mit den Charakteristika von Immobilien zusammen, die sich wesentlich von anderen Gütern unterscheiden:

  • Standortgebundenheit
  • optische Präsenz und Heterogenität der Bauwerke
  • lange Lebensdauer und hohe Wertbeständigkeit

Bauten erfüllen neben ihren Primärfunktionen (Wohnen, Arbeit und Freizeit) überdies eine Reihe von Zusatzfunktionen, die von der Anlagefunktion (z.B. Altersvorsorge) bis zur Kreditbesicherung gehen. Neben Infrastrukturbauten, als Voraussetzung für einen reibungslosen Ablauf von Wirtschaftsaktivitäten, prägen Wohnbauten, Wirtschafts- und sonstige Hochbauten (Kulturbauten usw.) das Bild eines Landes. Der Baukultur sollte gerade heute ein verstärktes Augenmerk zukommen, da durch Innovationen neue Strukturen und nachhaltige Veränderungen eingeleitet werden können. Architektonisch innovative Immobilien (z.B. neue Brücken- oder Museumsbauten) und auch historische Bauten (z.B. Schlösser oder Kirchen) setzen überdies wesentliche Impulse in der Tourismuswirtschaft.

Mit EUR 30 Mrd. Bauinvestitionen des öffentlichen und privaten Sektors erreicht der Bausektor einen Anteil an der Gesamtwirtschaft von 11,7% (2006).Mehr als die Hälfte der volkswirtschaftlichen Bruttoanlageinvestitionen sind Bauten. An der gesamten Wertschöpfung trägt die Bauwirtschaft mit rund EUR 17 Mrd. knapp 7% zum Bruttoinlandsprodukt bei. 8,2% aller Erwerbstätigen (315.000) nach dem Labour Force Konzept (Eurostat, 2006) sind direkt im Bauwesen
beschäftigt. Werden alle vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereiche, die unmittelbar von der Bauwirtschaft abhängen, berücksichtigt, so zählt die Bauwirtschaft zu einem der bedeutendsten Arbeitgeber in der gesamten Volkswirtschaft.

2. Bau und Baukultur als wichtiger Faktor in der Vermögensbildung

Die Bauwirtschaft ist wesentlich an der Vermögensbildung beteiligt. Rund 70% des gesamten österreichischen Anlagevermögens sind Bauten, die von der Baukultur und Bauarchitektur wesentlich geprägt sind.







Das gesamtwirtschaftliche Vermögen wird in der „Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung“ (VGR) erfasst. Es wird dabei zwischen produzierten Wirtschaftsgütern (z.B. Anlagen, Handelswaren), nicht produzierten Wirtschaftsgütern (z.B. Grund und Boden) und Finanzvermögen unterschieden. Eine vor kurzem veröffentlichte WIFO-Studie von Hahn (2006) ermöglicht erstmals die Zuordnung der Vermögensbestände auf Wirtschaftssektoren. Die Berechnungen zeigen die Vorrangstellung von Realvermögen in Form von Immobilien (Wohngebäude, Grund und Boden) innerhalb des Gesamtvermögens der privaten Haushalte: Nahezu die Hälfte des Gesamtvermögens der privaten Haushalte im Jahr 2000 entfällt auf Wohnbauten und Bauland, sie übertreffen damit die zweitwichtigste Vermögenskategorie der privaten Haushalte, das Geldvermögen, deutlich (etwas mehr als 30% des Gesamtvermögens).

Insgesamt belief sich das österreichische Vermögen im Jahr 2000 auf rund EUR 2.300 Mrd. Davon entfiel mehr als ein Drittel auf das Anlagevermögen (EUR 820 Mrd.), der Rest ist Finanzvermögen (EUR 1.184 Mrd.). Ein überwiegender Teil des Anlagevermögens (70%) stellen Bauten (EUR 620 Mrd.) dar. Der Vermögenswert der österreichischen Wohnbauten wird mit EUR 264 Mrd. und der Nichtwohnbau (inkl. Tiefbau) mit EUR 356 Mrd. geschätzt (Übersicht 1). Das Bauwesen trägt somit durch die Errichtung von Wohn- und Nichtwohnbauten mit rund EUR 620 Mrd. ein Viertel zur gesamten österreichischen Vermögensbildung bei.


3. Struktur und Entwicklung der Bauwirtschaft und deren Einfluss auf die Gesamtwirtschaft

Struktur der österreichischen Bauwirtschaft

In Österreich sind rund 23.400 Unternehmen (2003) im Bauwesen tätig, in denen etwa 235.000 unselbstständig Beschäftigte arbeiten (Statistik Austria, 2006a). Das Bauwesen ist traditionell sehr stark von Klein- und Mittelunternehmen (KMU) geprägt. Ein Großteil der Unternehmen (76%) beschäftigt zwischen 1 bis 9 Personen, weitere 14% der Unternehmen 10 bis 19 Personen und in 8% der Unternehmen arbeiten 20 bis 49 Personen. Der Anteil der Großbetriebe mit mehr als 250 Beschäftigten liegt hingegen bei 0,3% (2003).
Im Gegensatz dazu ist die Anzahl der unselbstständig Beschäftigten sowie die Bruttowertschöpfung auf die einzelnen Beschäftigungsgrößenklassen relativ gleichmäßig verteilt (Übersicht 2).

Das Bauwesen unterscheidet sich somit wesentlich von anderen Wirtschaftsbereichen. Im Vergleich weist die Sachgüterindustrie einen fünf Mal so hohen Anteil an Großunternehmen auf. Andererseits ist der Anteil der KMU an der Wertschöpfung im Bauwesen viel höher als in der Sachgüterindustrie – so lag der Anteil von kleineren Unternehmen (bis 49 Beschäftigte) an der Bruttowertschöpfung in der Bauwirtschaft mit 57% deutlich über jenem der Sachgüterindustrie (20%).

Entwicklung und Einfluss des Bausektors auf die Gesamtwirtschaft

Die jüngste mittelfristige Prognose für Österreich, die im Mai 2006 vom WIFO erstellt wurde, rechnet mit einem gesamtwirtschaftlichen Wachstum von 2,1% pro Jahr für den Zeitraum 2005 bis 2010. Die öffentlichen Haushalte sind weiterhin von einer strikten Ausgabendisziplin geprägt. Die Bauwirtschaft, insbesondere der Tiefbau, bleibt eine wichtige Stütze der Gesamtwirtschaft. Es gibt ein ambitioniertes Ausbauprogramm in der Verkehrsinfrastruktur sowohl bei den Straßen- als auch bei den Schieneninvestitionen. Der Tiefbau, der ein Viertel der Bauinvestitionen ausmacht, wird in den Jahren 2006 bis 2008 um rund 3,5% p. a. zunehmen und damit deutlich stärker wachsen als die Gesamtwirtschaft. Im Wohnungsbau und im Industriebau wird eine Erholung erwartet. Insgesamt wird das reale Bauvolumen 2006 um 2,5% wachsen, nach 1,5% im vorangegangenen Jahr und um weitere 2% im Jahr 2007 bzw. 2008.


Der Wohnbau als dominierender Sektor im Bauwesen

Der Wohnbau entwickelte sich in den letzten Jahren sehr schwach. Es kam 2005 zu einem Rückgang der Neubauproduktion. Im Sanierungs- und Renovierungsbereich hat sich hingegen die Nachfrage deutlich verbessert. Der WIFO-Konjunkturtest zeigt Anzeichen einer Verbesserung der Situation im Wohnungsneubau – dieser Trend zeichnet sich auch bei der Auftragslage ab. Die Zunahme der Nachfrage spiegelt sich in der höheren Zahl an Bewilligungen wider. Österreich verzeichnet einen deutlichen Anstieg der Zuwanderung, was mittelfristig die Nachfrage nach Wohnungen merklich beeinflusst. Der Tiefpunkt der letzten Jahre dürfte somit überwunden sein. Es zeichnet sich vor allem eine verstärkte Nachfrage im Mietwohnbau ab. Vor allem preisgünstige Mietwohnungen, großteils für niedrigere Einkommensschichten, werden benötigt.

Der Ein- und Zweifamilienhausbau ist durch eine verstärkte Nachfrage nach ökologischen und energieeffizienten Bauleistungen gekennzeichnet. Viele Haushalte spüren die exorbitant gestiegenen Energiekosten und werden zunehmend bereit, energiesparende Sanierungsinvestitionen zu tätigen, um die Heizkosten in Zukunft zu reduzieren. Überdies tragen die verstärkten thermischen Investitionen des Gebäudebestands zur Erreichung des Kyoto-Ziels bei. Die relativ niedrigen Zinsen dürften weiterhin die Nachfrage im Wohnbau stimulieren. Die Finanzierungsleistungen der Banken und Bausparkassen haben sich erhöht, was das Anspringen der Wohnbaukonjunktur anzeigt. Allerdings bleibt die Wohnbauleistung auch in den nächsten Jahren merklich hinter dem mittelfristigen Bedarf zurück. Vergleichsweise günstiger werden sich die Sanierungsleistungen entwickeln.

Tendenziell verstärkt sich die Wohnungsnachfrage in Stadtrandagglomerationen, wogegen sich eine schwache Vermarktung von Wohnungen, vor allem in infrastrukturell schlecht gelegenen Lagen, abzeichnet. Durch die EU-Erweiterung nimmt die Migration nach Österreich insbesondere in Ostösterreich und in der Bundeshauptstadt Wien deutlich zu. Zudem scheint sich eine neue grenzüberschreitende Donauregion als neuer Wirtschaftsstandort zu bilden, die um Wien entsteht und bis zu den östlichen Nachbarländern Slowakei und Ungarn reicht. In diesem Gebiet wird eine verstärkte Nachfrage auch nach Wohnbauten in den nächsten Jahren erwartet.

Insgesamt wird mit einem Anstieg der Baubewilligungen von 41.800 im Jahre 2005 auf 43.000 (WIFO-Prognose) im Jahr 2008 gerechnet. Aufgrund der verstärkten Zuwanderung ist allerdings ein Bedarf an Neubauwohnungen von rund 45.000 pro Jahr heute schon notwendig.
 


Es ist damit zu rechnen, dass in den nächsten Jahren die Neubauproduktion insbesondere im Mietgeschoßbau verstärkt wird. Vor allem besteht eine starke Tendenz, Bauinvestitionen in den Innenstädten zu intensivieren, um die Abwanderung in das Stadtumfeld und die dadurch verbundenen negativen Effekte zu reduzieren.

Der Tiefbau – ein wichtiger Wachstumsmotor

Der Tiefbau ist in Österreich jene Bausparte, von der die stärksten Wachstumsperspektiven ausgehen, vor allem von der Verkehrsinfrastruktur. Der starke Anstieg der Infrastruktur-Ausbauprogramme setzt sich 2006 fort. Allein die Investitionen im Ausbau des hochrangigen Autobahn- und Schnellstraßennetzes betrugen 2005 rund EUR 1,1 Mrd. Ein weiterer Anstieg bis 2008 auf rund EUR 1,4 Mrd. wird angestrebt. Der forcierte Ausbau der Verkehrsinfrastruktur ist vor allem in Richtung Osten geplant. Zu den ambitionierten Programmen in der Straßeninfrastruktur kommen noch Investitionen zur Erhöhung der Tunnelsicherheit und umfangreiche Umweltentlastungsmaßnahmen wie Lärmschutzwände und Ähnliches. Zudem zeichnet sich ein umfangreiches Investitionsprogramm im Bereich der Schieneninfrastruktur ab. Das Ausbauprogramm umfasst Investitionen in der Höhe von rund EUR 1,3 Mrd. bis EUR 1,4 Mrd. pro Jahr in den nächsten Jahren. Ein weiterer Ausbau der Verkehrsinfrastruktur wird im Bereich des Flugverkehrs erwartet. Es werden verstärkt Bauleistungen in das Projekt „Skyline“ fließen (Investitionsvolumen rund EUR 400 Mio., die Fertigstellung des „Skyline“- Projektes ist im Jahr 2008 geplant). Da im Bereich des Flugverkehrs das Passagier-  aufkommen um rund 800.000 pro Jahr ansteigt, wird auch längerfristig im Bereich der Luftfahrt eine verstärkte Investitionstätigkeit erwartet. Insgesamt wird im Prognosezeitraum 2006 bis 2008 mit einem Anstieg der realen Tiefbauinvestitionen von rund 3,5% pro Jahr zu rechnen sein.


Das hochrangige Straßennetz wurde in den vergangenen Jahren stark ausgeweitet. Im Gegensatz dazu schränkten die Gemeinden ihre Straßenbauinvestitionen erheblich ein. 2004 wurden nominell um 16% weniger für den Ausbau der Gemeindestraßen ausgegeben als 1995. Die Länder übernahmen zwischenzeitlich die Bundesstraßen; ihre Investitionen sind dementsprechend um 40% gestiegen. Die landwirtschaftlichen Güterwege haben einen sehr geringen Anteil an den Straßenbauinvestitionen. Anfang der 1990er Jahre wurden jährlich durchschnittlich EUR 112 Mio. für Neubau und Erhaltung investiert. Von 2000 bis 2004 reduzierten sich die Ausgaben deutlich (EUR 67 Mio. p. a.)

Eine der Stärken des Bauexports liegt in der österreichischen Baukultur, im Spezial-Knowhow der Tunnel- und Kraftwerksbauweise. In Zukunft sollten diese Exportchancen weltweit verstärkt genützt werden. Durch den derzeitigen Innovations- und Technologievorsprung in diesen Bereichen liegt Österreich im internationalen Spitzenfeld. Gerade darin liegt aber auch die Herausforderung für die Zukunft, nämlich diesen Spitzenplatz zu halten und das weltweit große Nachfragepotenzial für Österreich zu nutzen.

 

4. Bauwirtschaft – Export mit Zukunft

Der österreichische Bauexport könnte sich in Zukunft deutlich vergrößern – vor allem in Richtung Asien. Österreich sollte diese Chancen mehr nützen und die Rahmenbedingungen verbessern. In Frankreich ist beispielsweise der Bauexport ein Teil der Außenhandelspolitik.
Die Erfassung der österreichischen Bauexportleistungen ist in der österreichischen Statistik unterbelichtet. Die Vereinigung Österreichischer Bauunternehmungen (VIBÖ) führt deshalb eine Erhebung für die EIC-Statistik durch. Es werden jährlich die „Auslands-Bauleistung und Auftragseingänge der österreichischen Bauindustrie“ der fünf größten österreichischen heimischen Bauunternehmen erhoben, die etwa 90% der österreichischen Auslandsbauaktivitäten abdecken. Derzeit beläuft sich der Bauexport der fünf größten Bauunternehmen auf EUR 6 Mrd. (2004). Der überwiegende Teil davon, nämlich
EUR 5,2 Mrd. oder 86%, wird innerhalb der EU getätigt, ein geringer Teil entfällt auf europäische Länder außerhalb der EU (EUR 668 Mio.) und ein kleiner Rest auf übrige Länder (EUR 32 Mio. Länder des Mittleren Ostens, EUR 78 Mio. Asien, EUR 63 Mio. Afrika). Das große Marktpotenzial außerhalb Europas wird von österreichischen Unternehmen zu wenig genützt.

Eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg des Bauexports sind Referenzprojekte im Inland. Der internationale Wettbewerb um Großbauprojekte wird immer härter und es gibt oft Marktzugangsbarrieren. Die Zukunft liegt im Anbieten von kompletten Anlagen und Systemlösungen. Bewährte Allianzen und Kooperationen oder Konsortien, die sich im Inland bewährt haben, sollten künftig verstärkt im Ausland anbieten (z.B. Kooperationen der Bauunternehmen mit Siemens als Anlagenbauer, mit österreichischen Kraftwerksgesellschaften oder der ASFINAG usw.).

Wichtige Faktoren der österreichischen Baukultur oder der Kultur des Bauens für den Bauexport liegen demnach vor allem im
  • gebündelten Know-how,
  • Bilden von Kooperationen von PlanerInnen, ProjektentwicklerInnen und Bauausführung,
  • Anbieten von Gesamtleistungen und Systemlösungen und
  • Entwickeln von Best-Practice-Lösungen.

Zur Unterstützung des Bauexports spielen auch Exportgarantien eine wesentliche Rolle. Im Rahmen der österreichischen Exportgarantie-Förderung (Kontrollbank) besteht für den Baubereich das Problem, dass die Wertschöpfungsgrenzen zu niedrig angesetzt sind und deshalb oft Exportgarantien nicht zum Tragen kommen können. Die inländische Wertschöpfung beim Bauexport ist relativ niedrig, da vor allem Know-how exportiert wird. Der Großteil der Beschäftigten und Vorleistungen (Beton, Sand usw.) werden meist im Ausland bereitgestellt. Diese unterschiedliche Zusammensetzung in der Wertschöpfungskette beim Bauexport sollte in den Rahmenbedingungen für die Exportförderung verstärkt Berücksichtigung finden, ebenso die Einbindung und Förderung von KMU’s. Chancen für die Zukunft:
  • Exportanteil im Tunnel-Kraftwerksbau im Fernen Osten erhöhen.
  • Energie-Contracting in die neuen Beitrittsländer exportieren.
Die rege Tunnelbautätigkeit in Österreich wird in den nächsten Jahren anhalten, allerdings werden mit Beendigung des Lückenschlusses längerfristig Kapazitäten frei. In Anbetracht dieser Perspektive sind bereits jetzt die Weichen zu stellen, damit die österreichischen Unternehmen in Zukunft weltweit verstärkt im Tunnelbau tätig sein können.

5. Beschäftigung in der Bauwirtschaft


Die Bauwirtschaft zählt zu den wichtigsten Arbeitgebern in Europa. In den EU-25 sind 7,9% der Erwerbstätigen im Bauwesen beschäftigt. Österreich liegt mit 8,2% leicht über dem EU-25-Durchschnitt. Vor allem in Irland (12,6%) und Spanien (12,4%) hat das Bauwesen einen sehr hohen Anteil bei den Erwerbstätigen. Dies ist vor allem auf die rege Wohnbautätigkeit in den letzten Jahren zurückzuführen.

Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten beläuft sich nach Angaben des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger auf rund 235.000 Arbeiter und Angestellte im Jahr 2005. Eine Auswertung nach der ÖNACE-Klassifikation zeigt, dass davon 56% im Hoch- und Tiefbau arbeiten, 25% im Bereich der Bauinstallation und weitere 16% im Ausbau- und Bauhilfsgewerbe (Übersicht 4).

Das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung hat im Rahmen der österreichischen EU-Präsidentschaft versucht, die Beschäftigung im Wohnbau abzuschätzen. Die Analysen ergaben, dass rund 110.000 (47%) unselbstständig Beschäftigte im Wohnbau arbeiten (direkte Beschäftigte, ohne Zulieferindustrie).

Generell nahm im Bereich des Wohnbaus in den letzten Jahren die Wohnhaussanierung an Bedeutung zu. Aufgrund der höheren Vorleistungsverflechtungen und der höheren Arbeitsintensität gehen besonders von der Wohnhaussanierung zunehmend wichtige Beschäftigungsimpulse aus. Die Forcierung von thermischen und energietechnischen Mindeststandards, die u.a. von der Wohnbauförderung der einzelnen Bundesländer vorgegeben werden, verstärkt diesen Trend.
Neben den positiven Beschäftigungseffekten gehen von der Sanierung (und auch vom ökologischen Neubau) wesentliche ökologische Impulse aus. Die nationale Klimastrategie sieht die Bauwirtschaft als wichtigen Partner zur Erreichung des Kyoto-Klimaschutzzieles. Die einzelnen Bundesländer unterstützen ökologische Bauweisen im Rahmen der Wohnbauförderung. Das WIFO hat die wirtschaftlichen Effekte der Ökologisierung der Wohnbauförderung in Niederösterreich eingehend untersucht (Czerny-Weingärtler, 2005). Mit Hilfe eines multiregionalen und multisektoralen Modells wurden auch die Beschäftigungseffekte analysiert. Die Arbeit zeigt, dass die neuen ökologischen Förderungen in der niederösterreichischen Bauwirtschaft rund 2.300 Beschäftigungsverhältnisse in Niederösterreich schaffen bzw. sichern. Aus der Umweltperspektive sind die Effekte ebenfalls positiv, so ist beispielsweise die erzielte Energieeinsparung nach der Sanierung fünf Mal so hoch als noch vor 10 Jahren.


6. Investitionen nach Bund, Ländern und Gemeinden

In Österreich haben außerbudgetäre Infrastrukturinvestitionen im Vergleich zu anderen EU-Staaten eine hohe Bedeutung. Dadurch sollen vor allem Effizienzund Kostenvorteile realisiert werden. Im Ranking unter den EU-15-Ländern lag Österreich hinsichtlich der Bruttoinvestitionsquote des Sektors Staat im Jahr 2003 mit 1,2% an letzter Stelle (EU-15 2,4%). Diese niedrige Investitionsquote spiegelt nicht die tatsächlich geleisteten Infrastrukturinvestitionen wider, sondern resultiert aus den stetigen Ausgliederungen von den öffentlichen Budgets. Durch diese Ausgliederungen sind die Investitionen des öffentlichen Sektors immer schwieriger zu erfassen. Das WIFO hat in einer eigenen Studie die Infrastrukturinvestitionen nach Sektoren neu berechnet und auf die unterschiedliche Entwicklung der Investitionstätigkeit des Sektors Staat mit und ohne Ausgliederungen (Bund, Länder und Gemeinden) hingewiesen (Czerny et al., 2005).

Derzeit wird nur mehr rund die Hälfte der Infrastrukturinvestitionen innerhalb des Sektors Staat durchgeführt, die andere Hälfte bereits außerhalb der öffentlichen Budgets durch Sondergesellschaften, PPP-Modelle oder andere neue Finanzierungsformen. Im Bereich des Bundes sind der hochrangige Straßenbau (ASFINAG) sowie der Bundeshochbau (BIG) und das Museumsquartier ausgegliedert. Die Gemeinden haben die Siedlungswasserwirtschaft (Wasserver- und Wasserentsorgung) großteils ausgegliedert. Die Krankenanstalten (Spitäler) belasten ebenfalls nicht mehr direkt die Landesbudgets. Die Investitionen der ausgegliederten Gesellschaften sind von EUR 1.843 Mio. im Jahre 2000 auf EUR 2.725 Mio. 2005 oder um die Hälfte innerhalb von fünf Jahren gestiegen.

In den folgenden Tabellen werden die gesamten Investitionen des Staates inklusive Ausgliederungen dargestellt, sowie getrennt die ausgegliederten Einheiten und jene des Sektors Staat (ohne Ausgliederungen).
 



Die Autobahnen- und Schnellstraßenfinanzierungsgesellschaft (ASFINAG) forcierte ihre Ausbauprogramme in den letzten beiden Jahren wesentlich. Dieser Trend wird sich mittelfristig fortsetzen. Die ASFINAG beauftragte 2004 mit EUR 1,03 Mrd. rund 9,5% der gesamten Hoch- und Tiefbauproduktion bzw. 23% der Tiefbauproduktion (Statistik Austria, GNACE). Das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) hat die gesamtwirtschaftlichen Effekte der Infrastrukturinvestitionen der ASFINAG untersucht.
Der Gesamteffekt der jährlichen ASFINAG-Investitionen von rund EUR 1,4 Mrd. in den Jahren 2006 – 2010 auf das BIP führt laut WIFO-Makromodell zu einer Beschleunigung des Wirtschaftswachstums um etwa real +0,7%. Die jährlichen Investitionen (EUR 1,4 Mrd.) erhöhen das BIP um etwa EUR 1,9 Mrd. Der Produktionsmultiplikator beträgt etwa 1,3. Infolge der Investitionsausgaben der ASFINAG und deren Effekte auf das BIP steigen die verfügbaren Ausgaben der Haushalte merklich. Sie liegen real um 0,5% höher. Dies erlaubt den Haushalten die Ausweitung der Konsumausgaben um 0,4%. Die ASFINAG-Investitionen werden unmittelbar in der Bauwirtschaft wirksam. Die gesamten Bauinvestitionen erhöhen sich durch die ASFINAG um gut 1%. Mittelfristig werden dadurch 13.400 Arbeitsplätze geschaffen. Die Einnahmen an Lohn- und Einkommensteuern wachsen merklich. Sie liegen mittelfristig um 0,6% (EUR +700 Mio.) höher als in der Basislösung. Das Budgetdefizit verringert sich aufgrund der ASFINAG-Investitionen um EUR 500 Mio. (0,2% des BIP).

Literatur

Wirtschaftsbereichen 1995 – 2004. In: WIFO-Monatsberichten 12/2005. Wien 2005.


Czerny, M., Weingärtler, M.,: Gesamtwirtschaftliche Auswirkungen der Ökologisierung der öffentlichen Wohnbauförderung in Niederösterreich. Studie des österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung im Auftrag der NÖ-Landesregierung. Wien 2005.


EUROCONSTRUCT, Perspektiven der Bauwirtschaft in Österreich – Prognose 2006 bis 2008. Wien 2006.


EUROCONSTRUCT, The Prospects for the European Construction Market.Summary Report. Vienna 2006.


Kaniovski, S., Kratena, K., Marterbauer, M.,: Auswirkungen von Straßenbauinvestitionen auf Wachstum und Beschäftigung. Studie des österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung. Wien 2006.


Fritz, O., Streicher, G., Zakarias, G.,: MultiREG – ein multiregionales, multisektorales Prognose- und Analysemodell für Österreich. Wien 2005.


Goldener Trend: Top 500 Unternehmen. Wien 2005, S. 22.


Hahn, F., Magerl, C.,: Sektorale Vermögensrechnung für Österreich. Studie des österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung. Wien 2006.


Statistik Austria: Statistisches Jahrbuch 2006. Wien 2006.


VIBÖ: Statistik der European International Constractors (EIC). Wien 2005.