Architekturförderung der öffentlichen Hand

Max Rieder

Präambel und Quintessenz

Die gesellschafts- und volkswirtschaftliche Relevanz, Bedeutung und Wertschöpfung der Baukultur ist vor allem in Beziehung zu nachhaltiger Wirtschaft, Kreativwirtschaft, Bautechnologie-Innovationen, Bauwirtschaft, Kulturtourismus und potenziellen Tourismus-Events neu zu betrachten und vergleichend zu bewerten.
Die Impulse und Auswirkungen der Architektur und des Städtebaus für das alltägliche Leben (Arbeit – Wohnen – Freizeit) und die speziellen kulturellen Überhöhungen sind ohnedies mit anderen Branchen, Dienstleistungen unvergleichbar und essenzielle Grundlage für die Lebensqualitäten der Menschen. Die bisher durch die Architektenschaft gratis angebotene und zu Planungen mitgelieferte baukulturelle Bedeutung und der Wert eines Bauwerkes des öffentlichen Stadtraumes ermöglichen und sichern soziale Integration und kommunikative Handlungen.

Die Thematik wird analog des architektonischen Bewertungsprinzips der vergleichenden Betrachtung erörtert. Somit werden spezielle Branchen- bzw. Wirtschaftsförderungen der bisherigen Praxis der Baukultur- bzw. Architekturförderung gegenübergestellt.

Die bisherige Architekturförderung der öffentlichen Hand – Bund und Länder – wird den vielfältigen Schnittstellen, Querbezügen, Impulscharakteristiken und Leistungen der baukulturschaffenden ArchitektInnen derzeit nicht gerecht.

Baukultur wird durch die ArchitektInnen selbst finanziert und leistet bisher damit einen essenziellen, aber unentgeltlichen Beitrag zum (kulturellem) Selbstverständnis der Republik, der Regionen und Städte.

ArchitektInnen investieren als einzige Berufsgruppe permanent in eine öffentliche, transparent nachvollziehbare Vergabekultur in Form eines aufwandsintensiven Wettbewerbswesens, um Mehrwert neben dem bloßen Gebrauchswert eines Bauwerkes oder eines Stadtquartiers für Öffentlichkeit, AnrainerInnen und zukünftige NutzerInnen/AuftraggeberInnen zu lukrieren.


Dieses bisherige „Sponsoring“ für den gemeinsamen, öffentlichen Raum ist durch den Paradigmenwandel bei baulichen Investitionen nicht mehr haltbar und überholt.
Der ethische Ansatz der KMU-Architektenschaft, für ein humanes und gestaltetes Miteinander im Spannungsbogen zwischen konkretem Auftraggeber/ Investor und einer „anonymen“ Öffentlichkeit als unentgeltliches Planungsservice zu sorgen, wirkt durch die Marktbedingungen und Auslobungsbedingungen zur Architekturproduktion einzigartig antiquiert, politisch delegiert, betriebs- und volkswirtschaftlich unhaltbar.

Wenn Baukultur ein immanenter und unersetzlicher Bestandteil zukünftiger regionaler und vielfältiger österreichischer Identität im EU-Raum sein soll, so ist diese adäquat und analog zu anderen Wertschöpfungsbranchen wie der Wirtschaftsförderung, KMU-Förderung, Forschungs- und Technologieförderung, Tourismusförderung, Landwirtschafts- und Wohnbauförderung auszustatten.

1.1 Statement Bundesregierung – Regierungsprogramm und Regierungserklärung1

Im Regierungsprogramm vom 28.2.2003 unter Kapitel 18 „Kunst und Kultur“ wird festgehalten: „... Erarbeitung eines Gesamtprogrammes zur Wahrnehmung der baukulturellen Verantwortung des Bundes ...“ In der Regierungserklärung vom 3.3.2003 durch BK Dr. Wolfgang Schüssel wird „Architektur bzw. Baukultur“ indirekt und abstrahierend unter „... Landschaft und Umwelt ist auch die Grundlage für eine erfolgreiche Tourismuswirtschaft ...“ angedeutet.

Die bedeutenden österreichischen Leistungen in Stadtbaukultur und Architektur, die Millionen von KulturtouristInnen faszinieren und die gepriesene österreichische Lebensqualität mitprägen, werden als gesellschaftskulturelle Basis nicht erwähnt. „Nachhaltigkeit“ wird des Öfteren zitiert, aber der Bezug und Hinweis zur räumlichen, baulichen Nachhaltigkeit nicht wahrgenommen.



1.2 Statement zur Beziehung ArchitektInnen und Gesellschaft

In Sonntagsreden wird gerne vom/von „Architekten Europas, Genius loci, Baukultur und Denkmälern usw.“ gesprochen. Die Architekturschaffenden Österreichs verweisen auf überproportional hohe internationale Reputation. Die vielfältige Szene, die strukturell als Kleinstunternehmer lokal, regional und global tätig ist, stellt einen besonderen Multiplikatoreneffekt dar. Architektur ist im Rahmen der Bauwirtschaft treibende Innovationskraft und Kreativitätsmotor. ArchitektInnen verstehen ihre Arbeit immer einer „anonymen“, im Planungsprozess nicht vertretenen Öffentlichkeit gegenüber verpflichtet. Dies gilt unabhängig von Aufgabenstellungen konkreter privater oder öffentlicher Auftraggeber. Diese planungsethischen Ansprüche und Prinzipien generieren „nicht bestellte Mehrleistungen“.

Keine andere Berufsgruppe unterzieht sich ähnlich aufwändigen gesellschaftsrelevanten Qualifizierungsverfahren zur Projektfindung, so wie es im Wettbewerbswesen der Architektenschaft für Investoren und für die allgemeine, politische und mediale Öffentlichkeit der Fall ist.


1.3 Statement zu Architektur/Baukultur als (spezifischer) Wert der österreichischen Landschaften und Städte2

Bauwerke „sprechen“ ein unmissverständliches Zeugnis für historische und zeitgenössische Gesellschaftskultur aus. Österreich wird insbesondere durch charaktervolle Stadträume und baukulturelle Phänomene weltweit aufgesucht und u.a. als Kongress-/Tagungsort besonders geschätzt.
Architektur im weitesten Sinn als „Umwelt-Gestaltung“ umgibt uns ständig, alltäglich, nächtens und tagsüber, in Freizeit- und Arbeitsmilieus, sie prägt unsere Handlungen und Kommunikation indirekt und direkt. Bauwerke unterliegen gegenwärtig ausschließlich renditengeprägten Kurzabschreibungszeiträumen.

Die österreichischen Tourismusbauten, Energie- und Infrastrukturbauten, Gewerbeparks und Shoppingcenters sowie die geförderten Wohn- und Siedlungsbauten werden zum überwiegenden Teil nicht durch dafür qualifizierte
ArchitektInnen gestaltet bzw. geplant, sondern sind durch agglomerierte Komponenten der Bauindustrie und Baumarktangebote ohne jeden räumlichen, sozialen, kulturellen Zusammenhang, sinnliche, atmosphärische Gestalt und Ausdruck, Charakteristik und ästhetischen Anspruch konstruiert bzw. zusammengefügt.
Nur etwa 60% der hochbaulichen Produktion Österreichs, also der sichtbaren, raum- und gestaltwirksamen Umwelt, werden derzeit von ArchitektInnen geplant.


1.4 Statement zu Architekturwettbewerben als öffentlicher Beitrag3

Durch Architekturwettbewerbe leisten die österreichischen ArchitektInnen jährlich einen öffentlich wirksamen baukulturellen Beitrag von mindestens EUR 73,23 Mio.
Im Zuge dieser Projektfindung bzw. Projektauswahl werden jährlich mindestens 2.680 Projektbeiträge erbracht und qualifizieren so die Preisträger im direkten Vergleich.
Diese Verfahrenskultur für „das Beste zur konkreten Aufgabenstellung am richtigen Ort“ stellt einen wesentlichen Aspekt nachvollziehbarer Qualifizierung eines Produktionsprozesses (Vorbereitung – Aufgabenstellung – Abwicklung – Projektauswahl – Öffentlichkeitsarbeit – Planungs- und Kalkulationsgrundlage – Facility-Management-Check/Investitionsentscheidung) zu einem architektonischen Bauwerk, lebendiger Urbanität und kultureller Stadtgestalt dar.


Jeder/jede der 2.614 österreichischen ArchitektInnen (ZT) fördern bzw. investieren durchschnittlich etwa EUR 28.000 jährlich mittels ihrer Teilnahme an Architekturwettbewerben in die Gestaltung und das Renommee eines Standortes, eines Ortes, einer Region bzw. der Republik.

2.0 Fakten der Architekturateliers in Österreich4

Das typisch österreichische Architekturatelier charakterisiert sich als Kleinstunternehmen. 58% der österreichischen ArchitektInnen weisen Honorarumsätze unter EUR 150.000/Jahr, bzw. 74% unter EUR 300.000/Jahr aus. Die Ateliers stärken in ihrer Strukturgröße somit die typisch geprägte KMUWirtschaftslandschaft Österreichs.
Gerade jene Kleinststruktur begründete nachweislich die Vielfalt und Qualität sowie internationale Anerkennung österreichischer Baukultur; daraus sind die geistig-schöpferischen Leistungen (Theorien, Lehr- und Vortragskultur österreichischer ArchitektInnenen) entwachsen.
Die gegenwärtige Praxis von übertriebenen wirtschaftlichen Nachweisen gemäß BVerG 2006 und deren Ermessensinterpretationen um Anbotszulassung schließen diese hochqualitativen, kreativen Ateliers zum überwiegenden Teil aus Planungsprozessen aus und man zerstört damit den Fortbestand und die weitere Entwicklung der Baukulturträger. Durch beliebig austauschbare Planungen und Gestaltungen des Generalplaner- und Totalunternehmertums,
die durch die aktuellen Vergabegesetze (Referenz- und Wirtschaftsnachweise) bevorzugt werden, wird die typische KMU-Struktur der Architekturateliers radikal zerstört, mehr als 20.000 höchstqualifzierte Arbeitsplätze sind dadurch gefährdet.

2.1 Fakten zu Umsatzverhältnissen von Bauwesen und Architektenplanungen5

Laut Statistischem Jahrbuch betragen die Umsatzerlöse im Bauwesen in der relevanten Sparte des Hochbaus und des Bauhilfsgewerbes zusammen EUR 19,49 Mrd. Im Verhältnis zum BIP ergäbe sich somit ein etwa 12,2%iger gestaltungsrelevanter Anteil.
Würde man die Umsatzerlöse des Hochbaus und des Bauhilfsgewerbes mit den tatsächlichen Honorarumsatzerlösen der ArchitektInnen direkt in Beziehung setzen, dann ergäbe sich ein irrelevant niedriger Bearbeitungsgrad für den Planungsaufwand. Realistisch ist vielmehr unter Einbeziehung der Honorarumsätze der ArchitektInnen, dass nur etwa 60% der gesamten hochbaulichen Umsatzerlöse des Bauwesens von ArchitektInnen geplant wird.

2.2 Fakten zur aktuellen Kunstförderung der Architektur und Baukultur6

Die bundesweite Förderung der Architektur wird durch das Staatssekretariat für Kunst und Medien/Franz Morak mit EUR 2,09 Mio. wahrgenommen.
Die Bundesländer und Kommunen bringen etwa zusätzlich weitere EUR 2 Mio. auf.
Die Stadt Wien fördert Architektur mit EUR 2 Mio.

Insgesamt stehen der Architektur in Österreich etwa EUR 6 Mi0. an Fördermitteln zur Verfügung. Dieses Fördervolumen wird allerdingszum überwiegenden Teil in der Architekturvermittlung eingesetzt. 

Das Verhältnis von öffentlicher Förderung und baukulturellem Beitrag der ausübenden ArchitektInnen ist etwa 1:12. Der Bundesanteil beträgt somit weniger als ein 36igstel des Mitteleinsatzes der ArchitektInnenenschaft.

In diesem Zusammenhang ist festzustellen, dass die Fördermittel nur indirekt die praktizierenden ArchitektInnen erreicht, da die Förderzusagen zum überwiegenden Teil für experimentelle und vermittelnde Leistungen gewährt werden.

Die Förderung der Architektur und Baukultur kann vom Staatsekretariat/Bundeskanzleramt – BKA durch die verfügbaren Budgetmittel nicht adäquat gewährleistet werden.

Man kann im eigentlichen Sinn nur von einer postuniversitären Nachwuchs und Ausbildungsförderung sprechen.
Da aber Architektur und Baukultur eine alltägliche, existenzielle nachhaltige Investition darstellt und nicht alleinig unter der Rubrik Kunst (und Kultur) einzuordnen ist bzw. dort Wertschöpfungspotenziale aufweist, sind in Zukunft die Mittel und Auftragspotenziale im Verhältnis der Wirtschaftsförderung und Umwegrentabilität auszustatten (vergleichsweise beträgt die Förderung der Bundestheater EUR 133, 64 Mio).

Obwohl die bauwirtschaftlichen Belange raum- und gestaltprägend sind, liegt keine der Bedeutung angemessene öffentliche Förderung vor. Die volkswirtschaftliche Relevanz der Bauwirtschaft im BIP und die damit leichtens einsetzbaren Hebel zur führenden EU-Baukulturnation stehen im krassen Missverhältnis zu anderen Förderungsschienen z.B. KMU-, Dienstleistungs- und Tourismusförderungen des Bundes, der Länder und Kommunen.
 

2.3 KMU-Förderungen in der Kreativwirtschaft7

Das AWS-Austria-Wirtschafts-Service ist beauftragt, Unternehmen und spezielle Wirtschaftssparten zu fördern, zu finanzieren und zu beraten. Das Gesamtbudget 2005 für Zuschüsse, Haftungen, Kredite/Darlehen, Beratungen/Service betrug EUR 1,041 Mrd.
Die Zuschüsse nach dem KMU-Fördergesetz betrugen EUR 28,80 Mio. (für 3.065 Fälle).

Das Unternehmen „departure wirtschaft kunst und kultur gmbh“ des WWFF/Wiener-Wirtschaftsförderungsfonds förderte die Wiener Kreativwirtschaft innerhalb eines Jahreszeitraumes mit EUR 2,21 Mio. Dieses Fördervolumen hat ein privates Investment von EUR 8,8 Mio. ausgelöst. Die hohen und breiten Förderungen, Stützungen, Haftungen und Garantieerklärungen der KMU-Unternehmer waren den ArchitektInnen bisher versagt, obwohl deren gesellschaftlicher Beitrag durch den Architekturwettbewerb einen unvergleichlichen Mittel- und Aufwandseinsatz bis zu 20% des Jahresumsatzes darstellt.



2.4 Fakten zur Spartenförderung Forschung & Technologie, Tourismus, KMU-Dienstleistungen der Bundes
8

Aus der breiten Palette von Förderungen in der österreichischen Wirtschaftslandschaft sind nur wenige beispielhaft ausgewählt.
Das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie unterhält den Förderrat für Forschung und Technologie. Dessen Fördervolumen im Jahr 2005 betrug EUR 65,1 Mio.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit hat in der Sparte Tourismus neben gefördertem Kredit- und Investitionsvolumen auch nicht rückzahlbares Zuschussvolumen in der Höhe von EUR 32,89 Mio. ausbezahlt. Im Auftrag des BMWA vergibt das aws alleinig nach KMU-Fördergesetz EUR 28,80 Mio.
Die Förderungen in die KMU-Wirtschaft, Tourismus und Forschung betragen mindestens EUR 126,79 Mio.


2.5 Fakten zur Wohnbauförderung des Bundes9

Im Zuge des Bundesfinanzausgleiches werden den Bundesländern für die Wohnbauförderung Budgetmittel von etwa EUR 1,8 Mrd. frei verfügbar übertragen.
Diese öffentlich aufgebrachten Gelder werden ohne formulierte architektonische und städtebauliche Qualitätskriterien „verbaut“. Nur etwa 25% der Fördermittel werden mittels qualifizierter Architekturverfahren realisiert.
Somit werden 75% der öffentlichen Wohnbaugelder ohne architektonische, städtebauliche Qualitätskontrolle (z.B. Architekturwettbewerbe) und darauf bezogene Leitlinien eingesetzt.
Die Kosten für eine nachweisliche Qualifizierung – z.B. durch Architekturwettbewerbsverfahren – würden etwa 2% des Gesamtvolumens oder 360 Wohneinheiten betragen.
Unabhängig davon, dass es Studien und Indizien gibt, dass durch Architekturwettbewerbe budgetierte bzw. erwartete Herstellungskosten optimiert bzw. eingespart werden können, wäre vergleichsweise im Gesundheits- oder Bildungswesen eine solche Vorgangsweise, nämlich die Vergeudung öffentlicher Mittel – eben und insbesondere ohne ausschließliche Miteinbeziehung der dafür ausgebildeten Fachleute – undenkbar und skandalös.


3.0 Erkenntnisse und vier Forderungen

Der gesellschaftliche und wirtschaftliche Wert von Baukultur als Stadtraum und Bauwerksarchitektur ist auf höchster politischer Ebene regelmäßig zu deklarieren (Regierungserklärung) und zu verankern (Policy). Um in Zukunft die Querschnittsmaterie Baukultur zu koordinieren und sicherzustellen, ist ein Baukulturregierungsbeauftragter (Chief Government Architect) mit der Umsetzung nachstehender vier Forderungen per Bundesgesetz zu bestellen.

Die Wertschöpfung der Architektur und Baukultur ist volkswirtschaftlich nicht erhoben.

Dazu Forderung 1:
Monitoring und Evaluierung der baukulturellen Umwegrentabilität und Nachhaltigkeit.
 

Österreichs ArchitektInnen erwirtschaften im Rahmen der öffentlichen Wettbewerbskultur jährlich mindestens EUR 73,23 Mio. Dies erfolgte bisher als unentgeltlicher öffentlicher Beitrag zur Schaffung von Baukultur und transparenter, nachvollziebarer Vergabekultur.

Die von den ArchitektInnen eingesetzten Aufwendungen in das Wettbewerbssystem entsprechen keinem üblichen Akquirierungsaufwand. Die Architektur- und Baukulturförderung der öffentlichen Hand (Bund – Länder – Städte – Gemeinden) existiert im Vergleich zu anderen vergleichbaren Wirtschaftsförderungen de facto nicht. Ein Vergleich der Fördermittel zwischen KMU-Kreativwirtschaft, Tourismus, Forschung und Technologie etc. und der Architektur/Baukultur ist extrem unsymmetrisch bzw. nicht möglich.

Die Architektur- und Baukulturförderung wird de facto durch die ArchitektInnen selbst erbracht.

Dazu Forderung 2:
1:1-Rückfluss bzw. äquivalente Förderung der Architektenwettbewerbskultur im Verhältnis der Aufwendungen.
je ein Baukultur-Zehntelpromille des BIP von Bund/Ländern/Kommunen = 3 x EUR 24,4 Mio.

Anmerkung: Die Summe von EUR 73,23 Mio. jährlich entspricht den jährlichen Aufwendungen für die Wettbewerbskultur der ArchitektInnenleistungen.


Österreichs ArchitektInnen sind in Form von Klein- und Kleinstunternehmen organisiert. Die Leistungen der ArchitektInnen sind der Kreativwirtschaft, der Innovation und Forschung zugehörig und verwandt.

Dazu Forderung 3:
Fördermöglichkeiten wie Exportförderung sowie fiskalische Instrumente (Triennalebudget) sind sicherzustellen, sowie Anerkennung der Architektur und Baukulturschaffenden als förderbare und antragsfähige KMUs der österreichischen Wirtschaft bzw. Innovations- und Forschungslandschaft.

Nur etwa 59% der hochbaulichen Produktion werden von ArchitektInnen geplant. Nur etwa 25% des Wohnbaufördervolumens werden durch Architekturverfahren qualifiziert. Es existieren keine qualitätsbestimmenden Leitlinien für die „institutionellen (privatisierten, ausgelagerten oder im Substitutionsauftrag arbeitenden) Gesellschaften des Bundes, der Länder und Gemeinden“, sowie für „gewerbliche und gemeinnützige Wohnbau-, Bauträgergesellschaften“ im Wohnbau und für Private in der Tourismusförderung.

Dazu Forderung 4:
Keine Planungen mit öffentlichen Geldern bzw. bei Co-Finanzierungen mit öffentlichen Zuschüssen/Förderungen ohne ArchitektInnenplanung. Die österreichischen ArchitektInnen müssen in Zukunft in allen bauwirtschaftlich sichtbaren, gestaltprägenden Belangen als die dafür qualifzierten und ausgebildeten PlanerInnen im Sinne einer Architektenbindung eingesetzt werden (vgl. dazu die Notar-, Rechtsanwalt- oder Ärztebindungen).

Fußnoten


  1. Regierungserklärung vom 3.3.2003 und Regierungsprogramm vom 28.2.2003, www.bka.gv.at

  2. Statisches Jahrbuch 2005 (Statistik Austria) Leistungs- und Strukturstatistik 2003,www.statistik.gv.at, Kapitel 24 – Bauwesen Tab. 24.01 Zeile 45.21-01 bis -04.

  3. Nachkalkulationen von Wettbewerben aus 1992 bis 2006 maxRIEDER, Tab. A-1, AA-1, A 2, AA-2, ÖffWert, Angaben unterschiedlicher Architekturateliers, eigene Erhebungen.

  4. Bundeskammer und Länderkammern der Architekten und Ingenieurkonsulenten, www.arching.at, Umsätze Architekten der Länderkammer Wien, Niederösterreich, Burgenland 2004. In Erhebungen und Daten der Länderkammern zum Wettbewerbswesen.

  5. Statisches Jahrbuch 2005 (Statistik Austria) Leistungs- und Strukturstatistik 2003,www.statistik.gv.at, Kapitel 24 – Bauwesen Tab. 24.01 Zeile 45.21-01 bis -04. Kammer der Architekten und Ingeneurkonsulenten für Wien, Niederösterreich und Burgenland.
    Die Umsätze aller österreichischen ArchitektInnen betragen etwa EUR 698 Mio. Der Honoraranteil bzw. Bemessungsgrad/Bearbeitungsgrad ergibt sich aus Honorarleitlinien (HOA 2002 Hg. Bundesingenieurkammer). Ein mittlerer Bearbeitungs- bzw. Bemessungsgrad für Architektenleistungen beträgt ca 6% (z.B. Herstellungskosten von EUR 1 Million würde ein Planungshonorar von EUR 60.000 ergeben). BIP 2004: EUR 237,39 Mrd.

  6. Kunstbericht 2005, Staatsekretariat für Kunst und Medien, www.bka.gv.at/staatssekretäre/morak, Abteilung II/1 Bildende Kunst, Architektur, Design, Mode, Architektur und Design Fördervolumen 2005 EUR 2,09 Mio, je 50% in Jahresprojekte (Vereine dgl.) und Einzelprojekte (Protagonisten). Abteilung II/7 EU-Koordinationsstelle, Cultural Contact Point, Bundestheater. Bundestheater 2005 EUR 133,64 Mio. Angaben der Architekturinstitutionen der Bundesländer, www.architekturstiftung.at, Kulturabteilungen der Länder, Städte.

  7. Angaben aws – Austria Wirtschaftsservice GesmbH, www.awsg.a/Gesamtvolumen EUR 1,041 Mrd., Referat I/6a KMU-Politik, Tabelle „Zuschüsse nach KMU-Fördergesetz“, aws 2005, Zuschussvolumen EUR 28,80 Mio.
    Wirtschaftsförderungen der Wiener Regierung für Kreativwirtschaft www.departure.at/Look/Book, Herbst 2005, Bericht über das 1. Förderprogramm der Creative Industries für Wiener Unternehmen,Hg. Departure wirtschaft kunst und kultur gmbh,Wien.
    Förderungen der Wirtschaftskammer für Kreativwirtschaft, Keine Angaben.

  8. Angaben des Bundesministerium Verkehr, Innovation und Technologie, www.bmvit.gv.at/innovation/forschungspolitik/berichte/ Abt.I2-Forschungs- und Technologieförderung, Gesamtvolumen 2,27% BIP EUR 5,3 Mrd., Empfehlungen des Rates für Forschung und Technologie Fördervolumen 2004 EUR 65,1 Mio.
    Angaben des Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, Abteilung V/4 – Tourismusförderung, www.bmwa.gv.at/tourismusförderung/
    Angaben aws – Austria Wirtschaftsservice GesmbH, www.awsg.at/, Gesamtvolumen EUR 1,041 Mrd., Referat I /6a KMU-Politik, Tabelle „Zuschüsse nach KMU-Fördergesetz“, aws 2005, Zuschussvolumen EUR 28,80 Mio.

  9. Budgetangaben des Bundesministeriums für Finanzen, www.bmf.gv.at/budget/budget2005/ BIP 2004: EUR 237,39 Mrd. Wohnbauförderung 2005: EUR 1,781 Mrd.
    Bundeskammer und Länderkammern derArchitekten und Ingenieurkonsulenten, www.arching.at
    Umsätze Architekten der Länderkammer Wien, Niederösterreich, Bgl. 2004, Erhebungen und Daten der Länderkammern zum Wettbewerbswesen, Querschnitt der ausgelobten Wohnbauwettbewerbe